Seit mehr als 260 Jahren bereichert die Konditorei Zehrer am Alten Platz in Klagenfurt die Stadt mit süßen Köstlichkeiten. Ein besonderes Produkt des Traditionshauses ist die Erdnussschokolade im Bruch, die von den Kunden liebevoll als “Negerbrot” bezeichnet wird. Für viele ältere Kärntner weckt dieser Name Kindheitserinnerungen und verbindet sich mit einem ganz speziellen Geschmack. Doch was für die einen ein vertrauter Begriff ist, stellt für eine kleine Gruppe von Aktivisten einen untragbaren Skandal dar.
Der Konflikt erreichte im Juni 2026 einen Höhepunkt. Mitglieder eines sogenannten “Widerstandskollektivs” beschmierten die Schaufenster der Konditorei in der Nacht mit pinker Kreidefarbe und brachten Plakate mit folgender Botschaft an:
“Rassismus hat keinen Platz in Klagenfurt – weder im Regal noch im Diskurs.”
Die Aktivisten forderten unmissverständlich eine Namensänderung.
Die Inhaberfamilie Nimmervoll reagierte darauf gelassen, aber entschlossen. Philipp Nimmervoll, der die Konditorei gemeinsam mit seinem Vater Peter führt, stellte klar:
“Die Schokolade habe schon immer so geheißen und werde das auch weiterhin tun. Wir lassen uns doch nicht erpressen.”
Anstatt nachzugeben, legte das Unternehmen noch nach und brachte eine ironische Sonderedition auf den Markt: die “Negerbrot Linksextreme Edition”. Ein humorvoller und direkter Konter auf die nächtliche Aktion der Aktivisten. Im Online-Shop und im Laden wird das Produkt weiterhin unter dem alten Namen geführt – und die Nachfrage bleibt hoch.
Der Fall Zehrer ist kein Einzelfall, sondern repräsentiert einen neuen Typus gesellschaftlicher Konflikte. Im Kern geht es nicht um die Schokolade selbst, sondern um die Frage, wer die Deutungshoheit über Sprache und Tradition besitzt. “Neger” ist für die meisten Menschen heute ein unangenehmes Wort – das bestreitet kaum jemand. Allerdings stellt sich die Frage, ob ein historisch gewachsener Produktname, der über Generationen hinweg ohne böse Absicht verwendet wurde, automatisch als rassistisch gelten muss, nur weil er nicht mehr dem modernen Sprachgefühl entspricht.
Die Konditorei Zehrer argumentierte von Anfang an, dass der Name sich auf die Ware bezieht und nicht auf Menschen. Viele Kunden verbinden damit positive Erinnerungen. Statt diese Realität anzuerkennen, wurde das Unternehmen mit Sachbeschädigung und moralischem Druck konfrontiert.
Was hier geschieht, folgt einem bekannten Muster: Ein kleiner, traditionsreicher Familienbetrieb gerät unter Druck, weil er an einem alten Produktnamen festhält. Statt mit Argumenten oder einem Boykott wird mit Farbe und Plakaten agiert. Die Aktivisten vermitteln damit die Botschaft, dass jeder, der nicht umbenennt, sich schuldig macht. Die Konditorei Zehrer hat diese Logik nicht akzeptiert. Sie hat gezeigt, dass man sich gegen überzogene Forderungen wehren kann – und dass Humor dabei ein starkes Mittel sein kann. Die “Linksextreme Edition” war keine Kapitulation, sondern eine klare Ansage: Wir lassen uns unsere Geschäftspolitik nicht vorschreiben.
Der Streit um das Negerbrot ist im Grunde ein Streit um Verhältnismäßigkeit. Wer wirklich etwas gegen Rassismus unternehmen will, hat genug echte Baustellen. Erdnussschokolade in einer Klagenfurter Konditorei gehört definitiv nicht dazu. Die Familie Nimmervoll hat sich nicht erpressen lassen. Das allein ist in der aktuellen Zeit schon eine kleine Sensation. Und vielleicht auch ein Zeichen, dass nicht überall der Mut verloren gegangen ist, bei altem Kram einfach zu bleiben – solange niemandem damit geschadet wird. Manchmal reicht es schon, einfach nur “Nein” zu sagen und dann wie bisher weiterzumachen.
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