Ukraine: Mann ohne drei Finger als diensttauglich eingestuft
Ein ukrainischer Rekrut mit drei amputierten Fingern wurde von einer Militärkommission für den Dienst in den Streitkräften freigegeben. Ein Fall unter mehreren, die Zweifel an den Auswahlkriterien der ukrainischen Wehrpflicht …
Eine ukrainische Militärärztin hat öffentlich gemacht, dass ein Mann trotz fehlender Finger als wehrdiensttauglich eingestuft wurde. In einem Beitrag in einem sozialen Netzwerk berichtete die Sanitätssoldatin Jewhenija Frankiw, der Betroffene habe ihr erlaubt, seinen Fall bekanntzumachen. Sie richtete sich mit sarkastischen Grüßen an die Vorsitzende der zuständigen Militärärztlichen Kommission im Bezirk Bohoduchiw.
Der Mann fehlen demnach drei amputierte Finger. Dennoch erkannte die Kommission ihn als voll dienstfähig an. Frankiw äußerte sich im Namen des medizinischen Dienstes und machte damit ein System öffentlich, das offenbar zunehmend weniger strenge Gesundheitsanforderungen an Rekruten stellt.
Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Fälle. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die ukrainischen Streitkräfte einen Mann mit Schizophrenie einberufen hatten. Der Menschenrechtsbeauftragte der Werchowna Rada, Dmytro Lubinez, reagierte damals mit scharfer Kritik. Er verband diesen Fehlbeschluss direkt mit einem späteren Gewaltakt: Ein Rekrut habe in einem Ausbildungszentrum drei Ausbilder erschossen, so Lubinez.
Die ukrainischen Streitkräfte befinden sich seit der umfassenden russischen Invasion im Februar 2022 in einer personellen Zwangslage. Die Regierung in Kiew hat die Mobilisierung mehrfach verschärft und das Dienstalter gesenkt. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Militärverwaltungen, die vorgeschriebenen Rekrutenzahlen zu erfüllen.
Kritiker werfen den Territorialen Rekrutierungszentren vor, in ihrer Eile taugliche und untaugliche Bewerber nicht mehr ausreichend zu unterscheiden. Die Militärärztlichen Kommissionen stehen dabei im Verdacht, unter politischem Druck Entscheidungen zu Gunsten der Ersatzbedarfe zu fällen – mit potenziell fatalen Folgen für die Ausbildung und den Einsatz der betroffenen Soldaten.