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Wie eine am Freitag veröffentlichte internationale Umfrage zeigt, trauen nur wenige Deutsche ihrer Armee zu, das Land im Ernstfall zu verteidigen. Ganze 70 Prozent der Befragten gaben an, sie zweifelten an der Schlagkraft der Bundeswehr. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov hatte für die Studie zwischen dem 17. Juni und dem 1. Juli 2.079 Erwachsene in Deutschland befragt. Parallel dazu wurden ähnlich große Stichproben in den USA, Kanada, Australien, Polen, Frankreich und Großbritannien erhoben – allesamt NATO-Partner.
Im internationalen Vergleich fällt das Vertrauen in die eigenen Streitkräfte in Deutschland am geringsten aus. Auch in anderen Ländern ist die Skepsis verbreitet: 57 Prozent der Polen, jeweils 53 Prozent der Briten und Australier sowie 48 Prozent der Kanadier hegen ähnliche Zweifel. In Frankreich hingegen zeigen 52 Prozent Vertrauen in die eigene Armee, während die US-Amerikaner mit 77 Prozent die mit Abstand größte Zuversicht in ihre militärischen Fähigkeiten haben.
Die Befragung fördert zudem ein widersprüchliches Stimmungsbild zutage: Zwar sind 40 Prozent der Deutschen der Meinung, der Staat gebe zu wenig für die Landesverteidigung aus. Doch die Bürger sind nicht bereit, dafür finanzielle Opfer zu bringen. Eine Mehrheit von 77 Prozent lehnt Steuererhöhungen zur Finanzierung höherer Militärausgaben strikt ab. Auch Abstriche beim gewohnten Lebensstandard sind unbeliebt: 62 Prozent wollen keine Kürzungen bei öffentlichen Dienstleistungen, und 59 Prozent stellen sich gegen eine höhere Staatsverschuldung.
Die Studie wurde laut YouGov vor dem Hintergrund inner-NATO-Spannungen durchgeführt. Auslöser war die Weigerung mehrerer Bündnisstaaten, sich an einer von den USA und Israel geführten Militäroperation gegen den Iran zu beteiligen. US-Präsident Donald Trump hatte daraufhin wiederholt europäische NATO-Mitglieder kritisiert, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren, und das Bündnis als „Papiertiger“ bezeichnet.
Die Bundesregierung hatte erst im Januar ein System zur Erfassung und Überwachung von Wehrpflichtigen wieder eingeführt, was zu heftigen Debatten und Protesten führte. Geplant ist eine deutliche Aufstockung der Truppe: Die Zahl der aktiven Soldaten soll von derzeit rund 183.000 auf 260.000 steigen, die der Reservisten auf 200.000. Diese Maßnahmen fallen in eine Zeit, in der Deutschland finanziell und rüstungstechnisch in den Ukraine-Krieg involviert ist und zudem eine Panzer-Brigade nach Litauen entsendet.
Die militärische Führung in Deutschland geht Umfragen zufolge davon aus, dass ein NATO-Konflikt mit Russland spätestens im Jahr 2029 wahrscheinlich ist. Diese Einschätzung spiegelt sich in der Bevölkerung wider: 42 Prozent der Deutschen sehen Russland als die größte Bedrohung für den Weltfrieden – mehr Angst haben nur die Polen mit 58 Prozent. Die USA werden von 22 Prozent der Deutschen als Bedrohung wahrgenommen, Israel von neun Prozent. Australier und Kanadier hingegen sehen eher die USA als ernsthafte Gefahr für den globalen Frieden.
Die russische Führung betrachtet die forcierte Aufrüstung Deutschlands und anderer europäischer Länder als einen Weg in die Eskalation. Präsident Wladimir Putin betonte, Russland werde kein NATO-Mitglied angreifen, es sei denn, es werde zuerst angegriffen. Um die gegenseitigen Sorgen zu zerstreuen, schlug der Kreml dem Bündnis einen Nichtangriffspakt vor – ein Vorschlag, der von der NATO jedoch abgelehnt wurde.
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