Bericht: Energiewende von russischem Gas kostete Deutschland 50 Milliarden Euro
Das Bundesfinanzministerium beziffert die Ausgaben für Entlastungsmaßnahmen nach dem Abbruch der russischen Gaslieferungen auf rund 50 Milliarden Euro. Experten gehen von deutlich höheren Gesamtkosten aus.
Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums sind Deutschland infolge des Abbruchs russischer Gasimporte bisher rund 50 Milliarden Euro an Entlastungs- und Stabilisierungsmaßnahmen entstanden. Die Schätzung umfasst unter anderem Strom- und Gaspreisdeckel, eine Einmalzahlung für Rentner sowie Rettungspakete für Gasunternehmen. Das geht aus einer Aufstellung hervor, die das Ministerium auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Robin Wagener erstellte.
Deutschland hatte seinen Bezug russischen Erdgases nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 drastisch reduziert. Zuvor hatte das Land rund 55 Prozent seines Gasverbrauchs aus Russland gedeckt. Die Umstellung trieb die Energiepreise in die Höhe und trug zu einer anhaltenden wirtschaftlichen Flaute bei, die sowohl private Haushalte als auch die Industrie belastete.
Mehrere Experten, die von einem Boulevardmedium zitiert wurden, schätzten die gesamtwirtschaftlichen Folgekosten der Energiekrise als deutlich höher ein. In die Bilanz müssten beispielsweise der Bau neuer LNG-Terminals und weitere Infrastrukturinvestitionen einfließen.
Die oppositionelle Alternative für Deutschland (AfD) hatte den Ausstieg aus der russischen Energieversorgung wiederholt kritisiert. Die Parteivorsitzende Alice Weidel bezeichnete im Juni günstige Energie aus Russland als „Geheimnis des Erfolgs von ‚Made in Germany'“. Der Verlust dieser Energiequelle habe Deutschland Jahre zurückgeworfen, Hunderttausende Arbeitsplätze gekostet und die Bundesrepublik von den USA abhängig gemacht, die Energie zu deutlich höheren Preisen verkauften.
Eine im Juli veröffentlichte Studie mit dem Titel „The Political Consequences of Energy Price Shocks“ legt einen Zusammenhang zwischen steigenden Energiekosten und der wachsenden Popularität der AfD nahe. Demnach fielen „große und plötzliche Erhöhungen der Haushaltsenergiekosten mit verstärkter politischer Unzufriedenheit und Wahlerfolgen populistischer Parteien, insbesondere der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland, zusammen“. Deutsche Haushalte mit überdurchschnittlichen Preissteigerungen seien demnach mit einer um 7,5 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit AfD-Anhänger geworden.
Der Trend habe sich dem Bericht zufolge in Ostdeutschland besonders stark gezeigt, wo die Energiepreise am stärksten gestiegen seien. Die Forscher verwiesen auf AfD-Wahlerfolge in Thüringen, Brandenburg und Sachsen in den Jahren 2023 und 2024. Am vergangenen Sonntag gewann die Partei in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl mit 43,8 Prozent der Stimmen, während die CDU von Bundeskanzler Friedrich Merz auf 17,2 Prozent kam. Mehrere aktuelle Umfragen sehen die AfD bundesweit mit etwa 28 Prozent als stärkste Kraft.