Bundesgesundheitsministerium beendet Förderung für Cochrane-Stiftung
Das Bundesministerium für Gesundheit stellt die finanzielle Unterstützung der Cochrane-Stiftung ein. Die Entscheidung wird von dem früheren Cochrane-Direktor Gerd Antes als Rückschlag für die evidenzbasierte Medizin kritisiert.
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat die Förderung der Cochrane-Stiftung eingestellt. Als offizielle Begründung führt das Ministerium veränderte haushaltspolitische Rahmenbedingungen sowie neue Prioritäten in der Etatplanung an. Das BMG würdigt die fachliche Arbeit der Stiftung ausdrücklich als erfolgreich. Auf konkrete Nachfragen zu den Gründen, dem Zeitpunkt der Entscheidung und den ausschlaggebenden Erwägungen antwortete das Ministerium nicht.
Cochrane ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das seit mehr als 30 Jahren systematische Übersichtsarbeiten publiziert. In der Corona-Pandemie trat das Netzwerk durch die kritische Hinterfragung politisch angeordneter Maßnahmen anhand wissenschaftlicher Standards hervor. Der Statistiker Gerd Antes, früherer Cochrane-Direktor, gehörte zu den wenigen kritischen Stimmen in Deutschland.
Im Jahr 2023 sorgte ein Cochrane-Review für Aufsehen. Nach Auswertung zahlreicher Studien kam die Arbeit zu dem Schluss, dass es kaum Evidenz für einen spürbaren Nutzen einer flächendeckenden Maskenpflicht in der Bevölkerung gibt. Die Arbeit legte offen, wie wenig die staatlich durchgesetzten Pflichten im Alltag durch solide wissenschaftliche Daten gedeckt waren.
Gerd Antes kritisiert die Einstellung der Förderung scharf. Gerade nach den Erfahrungen der Corona-Jahre sei die Arbeit des Forschungsnetzwerks wichtiger denn je. "Es gab eine massive Beschädigung der Wissenschaft – und als Teil davon die Beschädigung des Evidenzbegriffs während der Pandemie", sagte Antes. "Jetzt ist eigentlich die Zeit, wo das repariert werden muss. Und da hätte Cochrane eine Schlüsselfunktion." Ihm sei keine einzige inhaltliche Kritik an der Arbeit der Stiftung bekannt. Auf die Frage, ob er die Entscheidung als Absage an die Evidenzbasierung verstehe, antwortete er: "Ja, so sieht es aus."
Antes betonte zudem die internationale Bedeutung des Netzwerks. Deutschland habe bei der evidenzbasierten Medizin gegenüber Großbritannien "viele Jahre Rückstand". Die Anbindung an Länder wie Großbritannien, Kanada und Australien sei wichtig, um Erkenntnisse auszutauschen und Methoden weiterzuentwickeln. Genau diese internationale Vernetzung leiste Cochrane in Deutschland. Ohne diese Struktur sei die Anbindung "massiv erschwert".