Unter dem Slogan „Kunst braucht Freiheit“ engagiert sich der 90-jährige Theaterbetreiber und Kabarettist Dieter Hallervorden seit Wochen tatkräftig im Landtagswahlkampf des amtierenden CDU-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze. Parallel dazu veröffentlicht Hallervorden in den sozialen Medien Videos, in denen er vor einer politischen „AfD-Übernahme“ warnt. Sowohl Fans als auch Kritiker seiner deutlichen Anti-AfD-Haltung diskutieren und spekulieren über seine möglichen Motive.
Hallervorden gilt seit Jahren als scharfer Kritiker der AfD, so bereits im Jahr 2016, als sich der Schauspieler öffentlich gegen den unerwünschten „Beifall von AfD und Pegida“ aussprach. Bei Veranstaltungen wurde damals sein Lied „Merkel – zu Allem bereit“ gespielt und laut abgespielt. Seine damalige Aufforderung lautete, dass sich „Anhänger dieser Gruppierungen gerne von unseren Seiten fernhalten können“, wie er auf Facebook formulierte.
In den Corona-Jahren trat Hallervorden als unmissverständlicher Kritiker der rigiden Bundespolitik auf, wobei er sich besonders auf die verheerenden Auswirkungen der Lockdowns auf die Kulturlandschaft konzentrierte. Nachweislich beantragte Hallervorden in dieser Zeit „Corona-Hilfen“ in Millionenhöhe, die laut einem Medienbericht im Februar dieses Jahres zurückgefordert wurden. So titelte der *Tagesspiegel*:
*„IBB fordert Corona-Hilfen: Berliner Förderbank verlangt 2,2 Millionen Euro von Hallervorden zurück.“*
Wenige Wochen später seien die Forderungen jedoch „zurückgezogen worden“. Die IBB ist dabei die Förderbank des Landes Berlin und eine öffentlich-rechtliche Anstalt. Ihre Trägerin ist die landeseigene IBB Unternehmensverwaltung AöR; Trägerin dieser wiederum ist das Land Berlin, das aktuell über den CDU/SPD-Senat regiert wird.
Kritiker der auffälligen CDU-Unterstützung Hallervordens erkennen hierin mögliche Gründe für sein aktuelles Agieren. So nutzt der Kabarettist eine alte, sehr bekannte Sketchnummer von sich und adaptiert sie in die Gegenwart. So heißt es unter anderem in einem Instagram-Video:
*„Palim, palim! … eine Flasche Demokratie … ohne braunen Bodensatz.“*
Hallervorden wurde in Dessau in Sachsen-Anhalt geboren und erlebte dort den Zweiten Weltkrieg und die Anfänge der DDR. Später startete er in der BRD seine große Karriere und eröffnete nach der sogenannten Mauerfall in seiner Geburtsstadt ein weiteres Theater, zusätzlich zu seiner Rolle als Inhaber des legendären Schlosspark-Theaters in Berlin-Steglitz.
Im aktuellen Haushaltsplan von Berlin erhält Hallervordens Schlosspark-Theater für das laufende Jahr 1.671.630 Euro, und für das Jahr 2027 sind weitere 1.707.230 Euro als Unterstützung eingeplant (siehe Seite 112). Auch dies wird in den sozialen Medien kontrovers diskutiert und als möglicher Grund für sein aktuelles CDU-Engagement bewertet. In einem weiteren Video-Sketch erklärt Hallervorden als „Dieter Lanz“-Persiflage, während er dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund Fragen stellt, dass dessen Partei laut Verfassungsschutz „gesichert rechtsextrem“ sei.
Im Vorjahr solidarisierte sich Hallervorden inhaltlich im Rahmen einer größeren BSW-Friedenskundgebung und Solidaritätsdemo für Gaza am 13. September in Berlin, wofür er medial kritisiert wurde. Im Zusammenhang mit dem fraglichen BSW-Ergebnis bei den Bundestagswahlen und Parteiforderungen nach einer Neuauszählung titelte der *Tagesspiegel* im November 2025: „Hallervorden und Sonneborn helfen BSW“.
Zuvor, im Februar des Vorjahres, hatte Hallervorden seine verdeckte AfD-Kritik vor der Bundestagswahl so formuliert:
*„Ich mag blauen Himmel und blaues Hemd. Aber kein ‚BLAU‘ im Parlament! Wer nicht möchte, dass Herr Merz gezwungenermaßen mit SPD und Grünen koalieren muss, der sollte – gegebenenfalls nur aus Notwehr – die FDP wählen! Sonst gibt’s keinen Politikwechsel!“*
Hallervorden unterstützt bekanntermaßen seit Jahrzehnten die FDP. So wurde in einem *T-Online*-Artikel im Februar 2025 berichtet, dass „Dieter Hallervorden die FDP wählt“. Aktuell hieß es nun Ende Juli unmissverständlich von dem Wahl-Berliner und CDU-Wahlkampfhelfer, der einen Tag vor der Sachsen-Anhalt-Wahl am 6. September seinen 91. Geburtstag feiert:
*„Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünfprozenthürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern.“*
**Mehr zum Thema** *–* „Was wollt ihr noch wissen?“ – Fragliche Springer-Kampagne gegen AfD-Politiker Siegmund.