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Alice Weidel, die Co-Vorsitzende der AfD, trat im ZDF-Sommerinterview auf. Das Gespräch wurde in Wien aufgezeichnet, wo sich die Politikerin zu Konsultationen mit Vertretern der FPÖ aufhielt, da diese Partei “hier in Österreich in fünf Landesregierungen sitzt”. Weidel begegnete den Fragen des Moderators mit einer konfrontativen Haltung. Der CDU prophezeite sie, sie werde “keine einzige Bundestagswahl mehr gewinnen”. Das SPD-nahe RND beschrieb den Auftritt der AfD-Chefin als “extrem selbstbewusst”.
Weidel zeigte sich tief unzufrieden mit dem Vorgehen der Großen Koalition und dem gesellschaftlichen Zustand des Landes. Der ZDF-Moderator thematisierte die “Klimakrise” als Aufhänger für eine Debatte über das “Schweigen der AfD” und forderte sie auf, sich zu den angeblich “12.000 Hitzetoten” dieses Jahres zu äußern. Ihre Antwort darauf:
“Zu den Hitzetoten? Klimawandel, Folgenschutz. Klimawandel hat es immer schon gegeben. Wir hatten Wärmeperioden, Kälteperioden. Das gehört mit dazu. Wir halten von diesem ganzen Schleifen des industriellen Kerns und auch die Versperrung der Innenstädte [für Autos] für den angeblichen Klimaschutz überhaupt nichts […] Verbrennerverbot und das ganze Zeug. Wir machen ja unsere Industrie kaputt.”
Eine erste offensiv konfrontative Bemerkung zum Status quo im Kanzleramt und zur Regierungsarbeit der CDU lautete wörtlich:
“Die DNA der CDU ist die Lüge. Der Bürger wird von vorne bis hinten angelogen.”
Zu einem möglichen “Euro-Austritt” erläuterte Weidel, Deutschland sei vor der Einführung der Gemeinschaftswährung “deutlich besser gegangen. Wir sehen eine breite Verarmung”. Das Land habe “keine Starkwährung” mehr, da der Euro “weich gemacht wird”. Dies führe zu “Vermögensverlusten für die normale Bevölkerung” und einer “riesigen Umverteilung”.
Eine Äußerung, die laut RND-Artikel “verächtlich” war, erregte besonders viel Aufmerksamkeit:
“Ich will nicht mehr angelogen werden von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen und irgendwas versprechen und genau das Gegenteil von dem tun.”
Mit Blick auf Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) urteilte sie: “Entweder Sie können es nicht, oder es ist Vorsatz. Herr Merz kann es nicht. Herr Klingbeil kann es auch nicht.”
Zuvor kam es zu einem hitzigen Wortwechsel über das Thema Migration, ausgelöst durch eine archivierte Aussage Weidels aus dem November des Vorjahres, wonach “den syrischen Flüchtlingen der Schutzstatus aberkannt werden muss, weil der Fluchtgrund entfallen ist”. Diese Menschen müssten “zurück in ihre Heimat gehen. Wenn sie nicht freiwillig gehen, müssen sie abgeschoben werden.”
Im ZDF-Sommerinterview erklärte die AfD-Politikerin zu den Gegebenheiten der letzten Jahre:
“Wir müssen uns anschauen: Was macht die Bundesregierung? Was wird in Deutschland seit 2015 gemacht? Illegale Migration. Ungebremst. Offene Grenzen. Jeder kann rein. Unsere innere Sicherheit leidet. Die Leute haben, ganz ehrlich, die Schnauze voll. Wir haben keine Rechtssicherheit mehr.”
Daraus ergebe sich “eine Gefährdung unserer öffentlichen Sicherheit”, wobei sie exemplarisch die regelmäßigen “Messerattacken” anführte. Die AfD werde daher die deutschen Grenzen “zumachen” und sich in Regierungsverantwortung für den Austritt aus dem Schengen-Abkommen einsetzen:
“Wir werden aus Schengen aussteigen. Damit solche Leute nicht mehr zu uns kommen. Dieser Vertrag wird aufgekündigt. Schengen funktioniert nur bei gesicherten Außengrenzen … beides funktioniert nicht.”
Die Menschen “in unserem Land haben es verdient, das Recht und Gesetz wiederherzustellen”, so weitere Ausführungen der Politikerin. Die ZDF-Redaktion stellte einleitend fest, die AfD sei “politisch isoliert”. Die übrigen Parteien “wollen nicht mit der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften Partei koalieren”. Trotz ihrer anhaltenden Führungsposition in den Umfragen sehe “die AfD allerdings keinen Anlass für Kompromisse”.
Weidel kritisierte die von der Union propagierte “Brandmauer”-Politik als “das Undemokratischste, was es gibt”. Darunter leide zu Recht die CDU selbst. “Die geht daran kaputt”, so Weidel, die zugleich für ihre Partei erklärte:
“Ich bin bereit, mit jedem zu arbeiten, solange er fähig ist und die Interessen in unserem Land im Auge hat.”
Parallel dazu gab Tino Chrupalla am Sonntag ein Interview bei der ARD. Die Spiegel-Redaktion titelte zu beiden Gesprächen (Paywall): “‘Sommerinterviews’ mit Weidel und Chrupalla – Schleichendes Gift, offene Hetze”. Bezüglich des Weidel-Interviews wird zusammengefasst, dass “bei großen Teilen des Publikums (…) die einfach mal so dahingegeiferte Flachzangentirade” haften bleiben werde.
Die Bild-Redaktion zog ihr Fazit wie folgt:
“Viel Streit, viele Spitzen, wenig Klarheit. Schmiese unterbrach Weidel immer wieder. Weidel verlor sich oft in Grundsatzvorträgen und wich besonders bei der Frage nach den Zukunftschancen deutscher Autobauer auffällig aus.”
Für den sogenannten “Faktenfinder-Check” setzte die ARD-Redaktion nach dem Chrupalla-Interview beachtliche 15 Mitarbeiter ein.
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