Historische Verbindungen zwischen deutscher Linksterrorismus und palästinensischen Gruppen
Die Zusammenarbeit zwischen westdeutschen Linksterroristen und palästinensischen Organisationen reicht bis in die späten 1960er Jahre zurück. Militärische Ausbildung, gemeinsame Operationen und ideologische Vernetzung prägten …
Bereits 1969 schickte die Tupamaros West-Berlin, Vorgängerorganisation der Bewegung 2. Juni, Mitglieder nach Jordanien. Dort erhielten sie bei der al-Fatah eine militärische Ausbildung. Die palästinensische Bewegung beeinflusste das revolutionäre Selbstverständnis der deutschen Gruppe maßgeblich. Diese frühe Verbindung war der Auftakt einer intensiveren Kooperation, die über bloße Sympathie hinausging.
Deutsche Linksterroristen fanden in palästinensischen Lagern nicht nur militärische Schulung, sondern auch Unterkunft, Fluchtmöglichkeiten und konspirative Kontakte. Führende Mitglieder der RAF, darunter Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Horst Mahler, absolvierten nach der Gründung der Gruppe 1970 eine Ausbildung in einem Fatah-Lager in Jordanien. Die Palästinenser verfügten über internationale Verbindungen und Erfahrung mit Flugzeugentführungen, während die Deutschen europäische Operationsmöglichkeiten, falsche Identitäten und Kenntnisse der westdeutschen Verhältnisse einbrachten.
Ein Stasi-Bericht von 1979 ordnete Ilich Ramírez Sánchez, bekannt als „Carlos, der Schakal“, als zentrale Figur in einem Netzwerk ein, das palästinensische extremistische Kräfte mit deutschen Gruppen wie RAF und Bewegung 2. Juni verband. Die ideologischen Unterschiede zwischen den Gruppen waren erheblich: Die Bewegung 2. Juni war anarchistisch ausgerichtet, die PFLP marxistisch-leninistisch und nationalistisch. Der gemeinsame Nenner war der sogenannte „antiimperialistische Kampf“ und die Bereitschaft zum Terror gegen westliche Staaten und Israel.
Ulrike Meinhof bezeichnete das Massaker an den israelischen Olympiateilnehmern 1972 in München in einer RAF-Schrift als „revolutionäre Aktion“, die „gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch“ gewesen sei. Sie pries die Tat als Ausdruck von „Mut“, „Kraft“ und „Menschlichkeit“. Für die Todesfälle machte sie nicht die palästinensischen Geiselnehmer verantwortlich, sondern schrieb Israel zu, seine Sportler „verheizt […] wie die Nazis die Juden – Brennmaterial für die imperialistische Ausrottungspolitik“ zu haben. Das Olympia-Terrorkommando hatte neben der Freilassung palästinensischer Gefangener auch ihre eigene Freilassung gefordert.
Am 27. Juni 1976 entführten zwei Mitglieder der Revolutionären Zellen, Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, zusammen mit zwei palästinensischen Terroristen den Air-France-Flug 139 nach Entebbe in Uganda. Das Kommando nannte sich „Che Guevara Gruppe“ der „Gaza-Einheit der PFLP“. In Entebbe vollzogen Böse und Kuhlmann die Trennung jüdischer beziehungsweise israelischer Passagiere von den übrigen Geiseln. Die Entführer forderten unter anderem die Freilassung inhaftierter deutscher Terroristen aus RAF und Bewegung 2. Juni. Ein israelisches Kommando befreite die Geiseln am 4. Juli 1976.
Im Herbst 1977 entführten palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine „Landshut“ nach Mogadischu. Ihre Forderungen bezogen sich ausdrücklich auch auf die elf inhaftierten RAF-Mitglieder sowie auf die Freilassung zweier Palästinenser aus türkischer Haft und 15 Millionen Dollar. Die Aktion endete, als die GSG 9 die Maschine stürmte, drei der vier Entführer erschoss und alle Geiseln befreite.
Die DDR-Behörden betrachteten die RAF zunächst mit Misstrauen. Die SED-Führung wollte sich als sozialistischer Staat und Unterstützer antikolonialer Befreiungsbewegungen darstellen, zugleich aber keine unkontrollierten Terroristen auf ihrem Territorium dulden. Dennoch ermöglichte das Regime bereits Anfang der 1970er Jahren Reisen westdeutscher Terroristen durch die DDR.