Wer in Deutschland den Wehrdienst aus Gewissensgründen ablehnen möchte, richtet seinen Antrag an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Diese Einrichtung prüft sämtliche Eingaben und entscheidet, ob der Antragsteller offiziell als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wird. Aktuell verzeichnet die Kölner Behörde eine deutliche Zunahme an Anträgen – nach Jahren eher verhaltener Zahlen flattert ihr nun erheblich mehr Post ins Haus.
Wie eine Sprecherin des BAFzA dem Evangelischen Pressedienst (EPD) bestätigte, sind in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 mehr als doppelt so viele Anträge auf Kriegsdienstverweigerung eingegangen wie im gesamten vorangegangenen Jahr. Konkret verzeichnete die Behörde bis zum 31. Juli 2026 insgesamt 8.302 entsprechende Anträge. Im kompletten Jahr 2025 lag die Zahl dagegen lediglich bei 3.879 solcher Schreiben.
Bereits die Statistik für 2025 hatte einen spürbaren Anstieg an Verweigerern gezeigt: Nachdem die Aussetzung der Wehrpflicht vor 15 Jahren die Antragszahlen zeitweise auf nur wenige hundert pro Jahr sinken ließ, kehrte sich der Trend mit Beginn des Ukraine-Kriegs um. Im Jahr 2022 stellten rund 1.000 Männer im wehrpflichtigen Alter einen Verweigerungsantrag. 2023 überschritt die Zahl mit 1.079 Antragstellern die Tausendergrenze, und 2024 verdoppelte sie sich auf 2.249 Anträge. Zum Vergleich: Im letzten vollen Jahr der Wehrpflicht, 2010, waren es noch über 100.000 Anträge gewesen. Unter den neuen Antragstellern finden sich nicht nur Männer ohne militärische Erfahrung, sondern auch Reservisten sowie aktive Soldaten.
Angaben darüber, wie viele Anträge bewilligt oder abgelehnt wurden, machte die Sprecherin gegenüber dem EPD nicht. Das Grundgesetz sichert das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nur bei einem persönlichen Gewissenskonflikt zu; rein politische Motive genügen hingegen nicht.
Besonders auffällig ist die Entwicklung im Juli 2026: Bis Ende Juni waren laut Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) 5.862 Anträge beim BAFzA eingegangen – zwischen dem 30. Juni und dem 31. Juli kamen also noch einmal 2.440 Männer hinzu. Dieser sprunghafte Anstieg in der Jahresmitte ist nicht allein durch den Versand der Musterungsbescheide erklärbar, der bereits seit Jahresbeginn läuft. Möglicherweise spielen auch eine zunehmende Kriegsrhetorik in der deutschen Öffentlichkeit im Hinblick auf Russland sowie lautere Forderungen nach einer Wiedereinführung der Wehrpflicht eine Rolle.
Allerdings gibt es auch eine gegenläufige Entwicklung, wenn auch in deutlich kleinerem Umfang: Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) berichtete im April 2026, dass in den ersten vier Monaten des Jahres bereits 233 Männer ihre Kriegsdienstverweigerung zurückgezogen hätten. Prognosen zufolge dürfte diese Zahl die Vorjahresmarke von 781 Rücknahmen bis Ende 2026 übertreffen.
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