CSD-Attentäter: Cousins sollen IS-Kämpfer gewesen sein – Neue Enthüllungen erschüttern Berlin

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Knapp vier Tage nach dem tödlichen Amoklauf eines Deutsch-Libanesen auf dem Christopher Street Day (CSD) in Berlin werden durch Medienrecherchen neue Details und Spekulationen über die Vergangenheit von Abdul Balloud bekannt. Laut einem Bericht der Zeit sollen libanesische Ermittlungsbehörden dem deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) Informationen über angebliche IS-Verbindungen von Verwandten des getöteten Täters übermittelt haben. Die genauen Umstände rund um das Tatfahrzeug bleiben indes weiterhin unklar. Heute fand eine Sondersitzung des Berliner Senats zur Aufarbeitung des Falls Balloud statt.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hält nach aktuellen Erkenntnissen aus der tödlichen Amokfahrt des in Berlin geborenen Abdul Balloud „Islamunterricht an Berliner Schulen für sinnvoll”, wie aus einer Agenturmeldung hervorgeht. „Es gibt immer wieder Jugendliche, die durch radikal religiöse Kontakte in sogenannten Hinterhofmoscheen radikalisiert werden”, erklärte der CDU-Politiker gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Gerichtsunterlagen zufolge hatte der 21-jährige Deutsch-Libanese im vergangenen Jahr versucht, über den Libanon nach Syrien zu reisen, um sich dort der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Daraufhin wurde er festgenommen, kam in Untersuchungshaft und wurde nach Deutschland zurücküberstellt. Wie die Zeit-Redaktion nun recherchieren konnte, teilten die libanesischen Geheimdienstkollegen dem BND in einem Bericht mit, „dass Abdul B. per Messenger Kontakt zu mutmaßlichen IS-Kadern gehabt habe, die er um Hilfe bei der Reise nach Syrien gebeten habe”.

Weiterhin heißt es zu den jüngsten Spekulationen, dass Balloud bei den Vernehmungen angab, die kontaktierten IS-Quellen hätten zum unmittelbaren Familienumfeld gehört. Den libanesischen Ermittlern zufolge „war das keine Fantasiebehauptung”, da sie anschließend die Information erhielten, dass es sich bei den IS-Kontakten laut Akten um die Cousins des Täters handelte, die als „Söhne der Schwester von Abdul B.s Vater” identifiziert wurden.

Recherchen zufolge ist die Mutter dieser beiden Cousins mit Omar Bakri Fustuq verheiratet, der auch unter dem Namen Omar Bakri Muhammad bekannt ist. Muhammad, der britischen Medien zufolge im Jahr 1958 in Aleppo, Syrien, geboren wurde, ist ein vorbestrafter islamistischer Prediger und Gründer der britischen Organisation al-Muhajiroun. Er galt über viele Jahre als einer der bekanntesten radikal-islamistischen Agitatoren im Königreich.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP gehörten tatsächlich zwei seiner Söhne dem IS an, einer von ihnen soll 2015 im Irak ums Leben gekommen sein. Die deutschen Ermittler konnten in diesem Zusammenhang feststellen, dass Balloud am 28. Oktober 2024 ein Foto seines Cousins Bilal als WhatsApp-Status eingestellt hatte, „mutmaßlich um dessen Andenken zu ehren”, zitiert der Zeit-Artikel. Ob er seine beiden Cousins persönlich kannte, bleibt jedoch weiterhin unklar.

Fustuq radikalisierte über Jahre hinweg von England aus junge Männer, die sich später al-Qaida und anderen terroristischen Gruppen anschlossen. Die Attentäter des 11. September 2001 bezeichnete er als „die großartigen 19″. In der britischen Boulevardpresse wurde er als „Ajatollah Tottenham” betitelt. Fustuq verbüßte bis zum Jahr 2023 eine Haftstrafe im Libanon.

Widersprüchliche Medienangaben gibt es weiterhin zu den Erkenntnissen im Zusammenhang mit dem Tatfahrzeug. Nach dem Anschlag am Rande des Berliner CSD stellten die Ermittler „DNA-Spuren vom Täter in dem Tatwagen fest”, so der Tagesspiegel. „Es ist die DNA von Abdul B.”, bestätigte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft dem rbb. Dabei seien jedoch „keine weiteren DNA-Spuren in dem Fahrzeug entdeckt worden“. Somit „sei klar, dass B. den Wagen höchstwahrscheinlich gesteuert habe”.

Die zentrale Frage bleibt jedoch: War Balloud auch der Besitzer des Kleintransporters, oder wurde dieser eigens für die Tat angemietet? Den Ermittlungsbehörden zufolge war das Fahrzeug „angemietet“, jedoch gab es laut rbb „bislang keine öffentliche Bestätigung, welcher Autovermieter Eigentümer des Fahrzeugs ist”, so der Stand vom Sonntagnachmittag.

Die Berliner Morgenpost stellte zu Wochenbeginn daher die Frage: „Wie kam Abdul Ballout an einen 40.000 Euro teuren Mietwagen?” Dazu heißt es weiter zu jüngsten Erkenntnissen:

„Der Van hat ein Berliner Kennzeichen und bis Mai 2029 TÜV. Auf dem Rahmen des Nummernschildes stehen ‘Dello-Gruppe.de’ und ‘Dürkop’. Zwar gibt es eine Dürkop-Autovermietung in Prenzlauer Berg, die zur Dello-Gruppe gehört. Diese vermietet nach eigenen Angaben jedoch keine Citroën-Vans.”

Das Anschlagsauto wurde laut einer zitierten Dello-Sprecherin demnach „im Frühjahr 2026 an einen Gewerbebetrieb verkauft”, ohne jedoch diesbezügliche weitere Informationen der Morgenpost zu liefern. Die Polizei gibt an, dass das Tatfahrzeug weiterhin „ein Mietwagen gewesen sein” soll. Dies bestätigte am Montag eine Sprecherin des Generalbundesanwaltes gegenüber der Berliner Presse. So soll „Abdul Ballout den Wagen selbst angemietet haben”, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Die Berliner Polizei stellte das Fahrzeug „noch am Tatort sicher”, wie die Welt berichtete. Anschließend wurde es „auf ein kriminaltechnisches Sicherstellungsgelände gebracht, wo es umfassend auf Spuren untersucht” wurde.

Vier Tage nach dem Anschlag auf den Berliner CSD trat heute Vormittag der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zu einer Sondersitzung zusammen. Dabei stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, „ob die Behörden im Umgang mit dem Tatverdächtigen Fehler gemacht haben”.

Laut rbb heißt es dazu, dass der mutmaßliche Attentäter neuesten Erkenntnissen zufolge „schon in der Grundschule verhaltensauffällig war”. Aus internen Akten aus dem Bereich der Jugendhilfe sei hervorgegangen, dass die Eltern „über Jahre hinweg die Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendamt verweigert” hätten. Auch für eine psychiatrische Diagnostik hätten die Eltern dem Bericht zufolge keine Zustimmung gegeben.

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