Rentenexperte fordert Renteneintritt ab 70 – Kolumnist stimmt zu, mit Bedingung
Der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen hat eine schnelle Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre gefordert. Eine Kolumne stimmt dem unter der Bedingung zu, dass auch Beamte länger arbeiten müssen.
Der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen hat in einer Fernsehsendung am Dienstag gefordert, das Renteneintrittsalter in Deutschland spätestens ab 2030 auf 70 Jahre anzuheben. Damit widerspricht er der Rentenkommission der Bundesregierung, die eine schrittweise Erhöhung erst ab 2041 empfiehlt – und zwar um lediglich ein halbes Jahr pro Dekade. Auf diesem Weg wäre das Renteneintrittsalter von 70 erst im Jahr 2091 erreicht.
Raffelhüschen begründet seine Forderung mit der demografischen Entwicklung: Die geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1969, die sogenannten Babyboomer, seien bis 2036 bereits in Rente, bevor eine Erhöhung des Eintrittsalters greifen würde. Ihnen stünden immer weniger Einzahler gegenüber, was zu einer extrem ungleichen Verteilung der Rentenlast führe. Als einziges europäisches Land plane bisher Dänemark eine Anhebung des Rentenalters auf 70, ab 2040.
In einer Kolumne wird Raffelhüschens Forderung unterstützt. Der Autor, selbst im Geburtsjahr 1963 geboren, erklärt sich grundsätzlich bereit, bis 70 zu arbeiten, um länger in die Rentenkasse einzuzahlen. Er verweist jedoch auf bestehende Ungleichheiten zwischen Arbeitnehmern und Beamten.
Der Autor fordert, dass eine längere Arbeitszeit nicht nur für Angestellte gelten dürfe. Beamte im öffentlichen Dienst müssten ebenfalls bis 70 arbeiten, andernfalls sei das ungerecht. Er kritisiert zudem weitere Unterschiede: Beamtenpensionen richteten sich nach der letzten Besoldungsstufe, nicht nach dem durchschnittlichen Einkommen im Berufsleben. Zudem lägen die Pensionen im Durchschnitt doppelt so hoch wie Renten, während Beamte in keine Pensionskasse einzahlen müssten.
Der Autor schlägt vor, die Bundesregierung solle neben einer Rentenkommission auch eine Pensionskommission einberufen, die sich mit der Zukunft der Beamtenversorgung befasst.