Am 18. Juli sorgte Ulrich Siegmund, der Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl, beim Wahlkampfauftakt in Magdeburg für Aufsehen: Er verkündete den versammelten Anhängern, dass die Partei eine “ganz besondere Spende” in Höhe von 5.000 Euro erhalten habe – ausgerechnet von einem Mitglied der konkurrierenden CDU. Rund vier Wochen später gab sich der Spender in einem offenen Brief zu erkennen: Bernd Prange, Kreistagsmitglied der CDU in Stendal und Ortsbürgermeister. Er habe die Summe inzwischen bewusst auf 10.000 Euro verdoppelt und hoffe, dass die AfD nach der Wahl allein regieren könne: “Nicht aus Trotz, sondern damit die CDU endlich aufwacht.”
Diese Ankündigung sorgte damals für kurzzeitige mediale Verwirrung, stieß aber bei den AfD-Anwesenden im Saal auf große Begeisterung. Wie die *Welt* berichtete, habe der anonyme Spender laut Siegmund die Summe überwiesen, “weil er möchte, dass wir als Alternative für Deutschland unsere wunderschöne Heimat, unser Land vor diesem links-grünen Kurs der CDU schützen”, so der AfD-Politiker bei der Veranstaltung. Der Spender habe zudem angekündigt, “noch ein, zwei Monate anonym bleiben” zu wollen, “aber danach geht es auch öffentlich”.
Nun liegt der offene “Brandbrief” des CDU-Politikers vor, aus dem mehrere Medien zitieren. Darin erläutert er seine Beweggründe:
*”Das war keine spontane Entscheidung und erst recht keine Leichtfertigkeit. Es war ein bewusster, nach reiflicher Überlegung gefasster Schritt aus tiefer Sorge um unser Land. Meine konservativen Werte – Leistung, Ordnung, Sicherheit, nationale Souveränität, wirtschaftliche Vernunft und der Schutz unserer kulturellen Identität – finde ich in der CDU immer weniger vertreten.”*
Der 59-jährige Fuhrunternehmer gehört der CDU seit 1992 an und sitzt seit 1999 im Kreistag von Stendal – dem Landkreis, aus dem auch AfD-Spitzenkandidat Siegmund stammt. Als Ortsbürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe, die rund 1.700 Einwohner zählt, will er sein Kreuz am 6. September persönlich bei der AfD setzen. Er hoffe, dass “viele weitere Konservative” seinem Beispiel folgen werden, heißt es in dem Schreiben.
Die Kritik an der Bundespolitik seiner Partei fällt dabei ungewöhnlich scharf aus. Wörtlich schreibt der Christdemokrat:
*”Ich wünsche mir, dass die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt so stark wird, dass sie alleine regieren kann. Nicht aus Trotz, sondern damit die CDU endlich aufwacht. Damit die Brandmauer fällt. Damit sich die Partei gegen ihren Linkskurs wehrt. Und damit Friedrich Merz abgesetzt wird – als Symbol einer Führung, die den konservativen Kern der Union preisgibt.”*
Die Reaktion seiner Parteikollegen ließ nicht lange auf sich warten. Mario Karschunke, der Generalsekretär der CDU in Sachsen-Anhalt, droht unmissverständlich mit Konsequenzen. “Wir nehmen die Berichterstattung um eine mögliche Spende eines CDU-Mitglieds aus dem CDU-Kreisverband Stendal sehr ernst”, erklärte er gegenüber dem Magazin *Focus*. “Sollte sich der Vorgang bewahrheiten, stellt dies für uns einen sehr schwerwiegenden parteirechtlichen Vorgang dar.”
Ein Parteiausschlussverfahren könnte daher schnell folgen. “In Abstimmung mit dem CDU-Vorsitzenden des Kreisverbandes Stendal, Chris Schulenburg MdL, wird die Spende im nächsten Kreisvorstand, dem im Rahmen eines möglichen Parteiausschlussverfahrens zuständigen Gremium, thematisiert.” Zudem betonte der Generalsekretär im *Focus*-Interview: Niemand sei gezwungen, “Mitglied unserer Partei zu bleiben, wenn er ihre politischen Grundüberzeugungen nicht mehr teilt”.
In seinem Brief verweist Prange darauf, dass die Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD im Kreistag Stendal seit Jahren “gut und konstruktiv funktioniert”. Gemeinsam habe man mehrfach “konkreten Schaden durch linke Initiativen abwenden können”. Ein Parteiwechsel steht für den Spender allerdings nicht zur Debatte – vielmehr verlangt er einen radikalen Kurswechsel seiner bisherigen Partei. Auf die Frage von *Focus*, warum er die CDU nicht freiwillig verlasse, antwortete Prange knapp: “Ich will, dass sie mich rausschmeißen.”
Aktuellen Umfragen von Infratest dimap im Auftrag von *MDR*, *WDR*, *Mitteldeutsche Zeitung* und *Volksstimme* zufolge kann die AfD Ende Juli mit 41 Prozent Zustimmung rechnen. Die CDU folgt abgeschlagen mit 24 Prozent, dahinter rangieren die Linke mit 13 Prozent, die SPD mit 7 Prozent und die Grünen mit knapp 5 Prozent.
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