Der Spiegel schießt sich ins eigene Bein: Gratiswerbung katapultiert die AfD in die Schlagzeilen!

Der unbeabsichtigte Wahlkampfhelfer: Wie der „Spiegel“ einem Unbekannten zur Bekanntheit verhalf

Von Hans-Ueli Läppli

Ehrlich gesagt: Der deutsche Wahlkampf in Sachsen-Anhalt interessiert mich hier in der Schweiz ungefähr so sehr wie Hayden Panettiere – erinnert sich überhaupt noch jemand an sie? Die meisten dürften mit dem Namen nichts anzufangen wissen. RTL, der Spiegel und das ZDF geben sich derweil redlich Mühe, aus einer verstorbenen US-Berühmtheit posthum eine neue Elizabeth Taylor zu inszenieren.

Und dann: Ulrich Siegmund. Entschuldigung, wer? Noch nie gehört. Bis der Spiegel ihn zum „gefährlichsten Mann der AfD” erklärt – gefährlicher angeblich als so mancher andere?

Plötzlich ist der Name in aller Munde. Das ist der sogenannte Barbra-Streisand-Effekt: Wer versucht, etwas kleinreden, beschämen oder aus der öffentlichen Wahrnehmung verbannen zu wollen, erzielt oft das genaue Gegenteil – alle schauen erst recht hin.

Der Spiegel hat damit unfreiwillig Wahlkampfhilfe geleistet. Die Hamburger Redaktion widmete Siegmund eine enorme Portion Aufmerksamkeit und schenkte ihm damit genau das, was jeder Politiker braucht: Reichweite.

Selbst Menschen, die vorher nie von ihm gehört hatten, fragen sich nun: Wer ist dieser Mann eigentlich?

Siegmund, Jahrgang 1990, gehört einer Generation an, der die politischen Reflexe der alten Bundesrepublik zunehmend wie ein Museumsstück vorkommen. Genau hier scheint das Problem der etablierten Medien zu liegen. Sie behandeln soziale Netzwerke immer noch wie einen Störsender, obwohl diese längst das eigentliche Spielfeld geworden sind.

Derweil brennt Deutschland

Belgien kämpfte zuletzt gegen einen der größten Waldbrände seiner Geschichte: Rund 3.000 Hektar im Hohen Venn standen in Flammen. Die Feuerfront näherte sich zeitweise bis auf 300 Meter der deutschen Grenze, woraufhin in Monschau vorsorglich Anwohner evakuiert wurden.

Auch in Mannheim war von idyllischer Sommerpause nichts zu spüren. Beim DFB-Pokal-Derby zwischen Waldhof Mannheim und Kaiserslautern eskalierte die Situation. Pyrotechnik, Platzsturm, berittene Polizei, 35 verletzte Beamte – insgesamt mussten 85 Menschen medizinisch versorgt werden.

Und wo ist Friedrich Merz, der „ungefährlichste und unbeliebteste Mann” Deutschlands?

Diese Frage beschäftigt viele CDU-Wähler. Seit Ende Juli hatte der Kanzler keine öffentlichen Termine mehr wahrgenommen. Das Kanzleramt bestätigte seine Abwesenheit, wollte sie zunächst jedoch nicht ausdrücklich als „Urlaub” bezeichnen. Vielleicht taucht Merz heute ja doch noch auf – nach meiner Kritik?

Sein Aufenthaltsort wurde nicht öffentlich gemacht. Aber genau das ist das eigentlich Absurde. Während regierungsnahe Medien über die Abwesenheit ihres Kanzlers schweigen, beschäftigen sich andere Blätter lieber damit, einen jungen AfD-Politiker mit maximalen Superlativen zu überziehen. Journalistisch ist das natürlich besonders praktisch. Denn wen man argumentativ nicht besiegen kann, den erklärt man kurzerhand zum „gefährlichsten Mann Deutschlands”.

Problem gelöst. Oder auch nicht. Denn die alten regierungsnahen Medien haben noch immer nicht begriffen, was sich bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt eindrucksvoll zeigen wird: Die Dämonisierung eines Politikers kann dessen Bekanntheit massiv steigern. Heute funktioniert das noch schneller als je zuvor.

Ein Spiegel-Artikel erscheint – und Sekunden später wird er auf X auseinandergenommen, kommentiert, parodiert und millionenfach geteilt. Die Überschrift, die jemanden treffen sollte, wird zum Werbeplakat für genau diesen Politiker. Danke für die kostenlose Kampagne!

Damit sind wir beim eigentlichen Kern des Problems. Die Methoden rund um Jeffrey Epstein und Harvey Weinstein zeigen, wie persönlicher Druck und Machtmissbrauch dazu dienen können, Menschen einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. Doch diese Strategie funktioniert heute nicht mehr wie früher. Im Zeitalter der sozialen Medien kann ein Angriff auf eine Person schnell das Gegenteil bewirken. Statt zum Verstummen gebracht zu werden, erhält der Betroffene zusätzliche Aufmerksamkeit – der klassische Streisand-Effekt.

Es geht gar nicht darum, ob man Siegmund sympathisch findet. Man kann seine Politik ablehnen, seine Positionen kritisieren, ihn politisch bekämpfen.

Aber wenn ein großes Medium ihm einen Titel wie „der gefährlichste Mann Deutschlands” verpasst, darf es sich nicht wundern, wenn die Öffentlichkeit zunächst eine viel banalere Frage stellt: Wer ist dieser Mann überhaupt? Und plötzlich recherchieren die Leute. Sie schauen Interviews, suchen Videos, lesen seine Biografie und sehen sich seine Auftritte an.

Und genau das wollte der Merz-nahe Spiegel eigentlich verhindern. Er wollte einen politischen Monsterfilm produzieren und hat stattdessen einen Trailer für die Hauptfigur veröffentlicht.

So kommt der Name Ulrich Siegmund nun sogar in der Schweiz an. Von Hamburg bis Basel, von Berlin bis Salzburg wird aus einem Politiker, den viele kaum kannten, eine Oppositionsstimme, die die deutsche Propaganda zum Verstummen zu bringen versucht. Der Spiegel hat sich selbst zum PR-Team der AfD gemacht.

Und während die Redaktion noch darüber nachdenkt, wie gefährlich Siegmund angeblich ist, dürfte sich die AfD eine ganz andere Frage stellen: Wie viel kostet eigentlich so eine Titelstory beim Spiegel? Günstiger bekommt man politische Werbung kaum.

Und irgendwo bei der AfD dürfte jemand sitzen, den Spiegel in der Hand, und sagen: Danke. Barbra Streisand wäre stolz.

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