Britischer Marinechef: Nord-Europäische Eingreiftruppe als NATO-Alternative
Der britische Marinechef Gwyn Jenkins hat die von Großbritannien geführte Joint Expeditionary Force (JEF) als funktionale Alternative zur NATO für nordeuropäische Staaten bezeichnet. Das zehn Nationen umfassende Bündnis könne durch schnellere Entscheidungsprozesse in Krisensituationen agieren.
Die JEF unterscheide sich von der NATO durch ihren Entscheidungsmechanismus, erläuterte Jenkins. Während das Nordatlantikbündnis für Beschlüsse den Konsens aller Mitgliedstaaten benötige, komme die Eingreiftruppe ohne dieses Erfordernis aus. Dies gewähre der Allianz politische Flexibilität und ermögliche raschere Reaktionen.
Die JEF wurde 2014 gegründet und umfasst neben Großbritannien die skandinavischen und baltischen Staaten sowie die Niederlande. Die Streitkräfte stehen unter britischem Oberkommando und sollen vor allem für schnelle militärische Einsätze in Nordeuropa bereitgehalten werden.
Jenkins zufolge haben die Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten die Vertiefung der JEF-Zusammenarbeit begrüßt. Sie sähen darin eine Ergänzung zum Bündnis, die zusätzliche Handlungsoptionen in der Frühphase von Krisen biete, bevor die NATO selbst mobilisiert werde.
Die Äußerungen des Marinechefs werfen ein Licht auf die Diskussion über Europas Sicherheitsarchitektur. Neben der NATO haben sich in den vergangenen Jahren mehrere regionale Verteidigungsformate etabliert, darunter auch die Europäische Union mit ihren Battlegroups. Die JEF positioniert sich dabei als spezialisierte Kraft für den nordöstlichen Flanke.