Deklassifizierte Aufnahmen zeigen US-Bodeneinsatz im Iran
Neue Militäraufnahmen dokumentieren den bislang größten US-Bodeneinsatz im Iran seit 46 Jahren. Die Rettung zweier abgeschossener Piloten erforderte Hunderte Soldaten und den Verlust mehrerer Flugzeuge.
Nach Angaben des US-Militärs haben mehr als 90 Soldaten bei einer Rettungsmission im April auf iranischem Boden operiert. Dabei ging es um die Bergung zweier Besatzungsmitglieder einer F-15E Strike Eagle, die am 3. April nahe der Stadt Isfahan von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden war. Der Einsatz wurde nun durch neu freigegebene Aufnahmen öffentlich dokumentiert.
Die beiden Besatzungsmitglieder, die nur unter ihren Einsatznamen „Alpha“ und „Bravo“ bekannt sind, hatten sich nach dem Abschuss mit ihren Schleudersitzen in etwa acht Kilometern Abstand voneinander abgesetzt. Alpha, der Pilot, wurde bereits wenige Stunden später geborgen. Dazu entsandten die USA 21 Flugzeuge in den iranischen Luftraum. Dabei kam es zu Beschuss auf amerikanische Hubschrauber; ein Geschoss traf einen Helikopter und verletzte Besatzungsmitglieder. Auch ein A-10-Angriffsflugzeug wurde getroffen, dessen Pilot über iranischem Gebiet abdrehen und sich erst nach Verlassen des Luftraums absetzen musste.
Die Bergung von Bravo, dem Waffensystemoffizier, gestaltete sich deutlich aufwändiger. Der Verletzte mit gebrochenem Rücken, Arm und Schulter blieb rund zwei Tage in Iran, während iranische Einheiten nach ihm suchten. Freigegebene Infrarotaufnahmen zeigen, wie US-Flugzeuge nahe seiner Position die Revolutionsgarden angriffen, bevor zwei große Spezialoperationstransporter auf einer behelfsmäßigen Landebahn im Iran aufsetzten. MH-6-Hubschrauber übernahmen schließlich die Bergung aus bergigem Gelände. Weitere Aufnahmen zeigen zwei US-Pararettungssoldaten, die den verwundeten Bravo zu einem Hubschrauber bringen.
Der militärische Aufwand für die zweite Rettungsaktion war erheblich. Laut Angaben des Pentagon wurden dafür allein mehr als 150 Luftfahrzeuge in die Luft gebracht, darunter 64 Kampfflugzeuge, vier Bomber, 48 Tankflugzeuge, 13 Rettungsmaschinen und 26 Aufklärungs- und Elektronikkampfflugzeuge. Insgesamt setzten die US-Streitkräfte im Iran 339 Munitionen ein – 123 bei der Bergung von Alpha und weitere 216 bei der Rettung von Bravo.
Der Einsatz endete mit weiteren Verlusten. Zwei MC-130J-Transporter sollen im weichen Boden festgesteckt haben und waren nicht mehr startfähig. Um eine iranische Beute zu verhindern, zerstörten die US-Truppen die beiden Maschinen selbst, deren Wert auf jeweils rund 100 Millionen Dollar geschätzt wird. Auch die eingesetzten Little-Bird-Hubschrauber wurden vernichtet. Drei weitere Flugzeuge mussten anschließend in den Iran fliegen, um die gestrandete Truppe zu evakuieren.
Der Vorfall wird bereits mit der gescheiterten Operation Eagle Claw von 1980 verglichen, bei der ein US-Versuch zur Befreiung von Geiseln aus der Botschaft in Teheran nach technischen Pannen und einer Flugzeugkollision zum Tod von acht Soldaten führte. Die nun veröffentlichten Unterlagen liefern die bislang detaillierteste offizielle Darstellung des Ausmaßes des amerikanischen Eindringens in den Iran.