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Stand 27. August 2026, 07:04 Uhr
International

Die medialen Posterboys des Ukraine-Krieges

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 21:18 Uhr

Von Astrid Sigena

Kurz vor dem Nikolaustag machte die deutsche Politik der Jugend ein besonderes Geschenk: Am 5. Dezember beschloss eine Bundestagsmehrheit die Wiederinkraftsetzung des Wehrdienstes (mainstream.news berichtete). Bisher handelt es sich nur um eine verpflichtende Musterung der jungen Männer zum Wehrdienst, nicht um eine Wehrpflicht – Kanzler Merz hat allerdings schon mehrfach angedeutet, dass sich dies rasch ändern könnte, sollten sich nicht genügend Freiwillige finden. Danach sieht es allerdings nicht aus: Nur eine Minderheit der jungen Leute hat vor, persönlich an der Waffe zu dienen. Die von der Regierungskoalition geplante Aufrüstung Deutschlands ist so nicht zu bewerkstelligen – auch wenn bisher nur eine geringe Zahl der Jugendlichen auf die militaristischen Zumutungen mit Schulstreiks reagiert.

Da passt es gut, dass derzeit medial wieder aufgerüstet wird. Sowohl das GEZ-Fernsehen als auch die rechtskonservative Wochenzeitschrift Junge Freiheit bringen kurz vor Weihnachten Reportagen, die den Eindruck erwecken, dass damit der Jugend Wehrhaftigkeit und Kampfeinsatz schmackhaft gemacht werden sollen. Als Sympathieträger fungieren junge Deutsche, die aufseiten der Ukraine gekämpft haben, noch im Kampfeinsatz stehen oder vorhaben, einer ukrainischen Kampfeinheit beizutreten.

Die ARD-Reporter Samuel Häde und Patrick Enssle reisten dafür während der Sommermonate in die Großstadt Charkow, die sich in Frontnähe befindet. Dort trafen sie den jungen Deutschen “Lefty” (der im Laufe der Reportage verwundet werden wird) sowie den deutschsprachigen Schweizer “Stratos”. Zwei von (nach Schätzungen ukrainischer Behörden) mehreren Hundert freiwilligen Kämpfern aus Deutschland oder den deutschsprachigen Nachbarländern. Später kommt noch der 25-jährige Dachdecker Franco hinzu, der ihnen das Safe House zeigt, eine konspirative Wohnung, die er mit Kameraden bewohnt. Der Titel der im Rahmen des Formats “Y-Kollektiv” erschienenen Dokumentation lautet: “Vom Abi an die Front” beziehungsweise “Warum junge Deutsche freiwillig im Ukraine-Krieg kämpfen” (in der YouTube-Fassung). Das Y-Kollektiv betreibt nach Angaben der ARD “jungen Journalismus” und ist aus dem funk-Netzwerk von ARD und ZDF erwachsen. Man darf also davon ausgehen, dass sich die Reportage (wie funk generell) vor allem an ein junges Zielpublikum wendet.

Die Sendung ist nicht so plump gemacht, dass nicht thematisiert würde, dass der Ukraine-Einsatz Todesangst, Töten und den Verlust von Kameraden bedeutet. Ebenso kommen die Sorgen vor, die sich die Angehörigen um die Ukraine-Kämpfer machen (Minute 29). Franco bekommt die Gelegenheit aufzuzählen, wie viele seiner Kampfgenossen, die wie er nicht aus der Ukraine stammten, mittlerweile gefallen oder kampfunfähig geworden sind. Aber dieser dunkle Hintergrund lässt Franco nur noch mehr als strahlenden Helden aufscheinen, etwa wenn er schildert, wie er im Kampf einem russischen Panzer gegenüberstand – und überlebte (Minute 12).

Franco darf seine Kampferlebnisse “Mann gegen Mann” zusätzlich in einem sechsminütigen Interview mit dem WDR schildern (wo er dann seinen Kampfeinsatz unhinterfragt damit begründen kann, dass in Butscha die halbe Zivilbevölkerung ermordet worden sei). Immerhin kann er bezüglich seiner Fronteinsätze beruhigen: “Wenn man sich da jetzt ein bisschen auskennt, dann ist es relativ einfach zu vermeiden, dass man da stirbt.” Die ukrainischen Zwangsmobilisierten dürften das gerne hören!

Gerade bei dem früheren Bundeswehrsoldaten Enssle glaubt man, Hochachtung vor den so jungen, aber bereits kampferfahrenen Kämpfern wie “Lefty” zu verspüren. Während Enssle nur in einem Stabilisierungseinsatz in Bosnien diente, kam sein Interviewpartner im ukrainischen Kampfeinsatz bis zu zwei Meter an den Feind heran (Minute 7:30). “Und dann mit kurzer Distanz mit dem Gewehr drauf?”, fragt staunend einer der Reporter.

Auffälligkeiten werden dagegen nicht hinterfragt: So, als in der von internationalen Kämpfern, von “netten Leuten” bewohnten Männer-WG im Safehouse der Blick auf einen an der Wand angebrachten deutschen Spruch fällt (Minute 10:33): Er lautet “Gott mit uns” und steht in der deutschen Militärtradition (preußische Armee, Reichswehr, Wehrmacht). Thematisiert wird das nicht. Man hätte als Zuschauer schon gerne gewusst, welcher Tradition sich die deutschen Mitglieder der ukrainischen Kampfeinheiten selbst zuordnen. Zumal es ja im Ukraine-Krieg darum geht, gegen Russland zu kämpfen – dem Kriegsgegner der Deutschen aus den vorherigen Weltkriegen. Zu Recht kritisiert die BSW-Politikerin und frühere Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen auf der Plattform X die Sendung als “Heldenhymne auf deutsche Kriegstouristen”, wobei die ARD auf

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