NATO-Konzept für Baltikum-Verteidigung sieht autonome Systeme im Fokus
Ein neu vorgelegtes Verteidigungskonzept der NATO für die baltischen Staaten rückt Drohnen und autonome Waffensysteme in den Mittelpunkt. Militärbeobachter deuten die Veröffentlichung als Signal an Russland angesichts veränderter …
Die NATO hat einem Medienbericht zufolge ein Verteidigungskonzept für den Fall eines russischen Angriffs auf die baltischen Staaten erarbeitet. Auffällig an dem Papier ist demnach weniger der Dienstgrad der beteiligten Offiziere – ein Major soll maßgeblich daran beteiligt gewesen sein – als vielmehr die öffentliche Präsentation selbst. Militärische Planungen für potenzielle Kriege werden in der Regel nicht offengelegt, was Analysten vermuten lässt, dass die Allianz eine strategische Botschaft senden will.
Das Konzept reflektiert dem Bericht zufolge einen tiefen Wandel in der Militärwissenschaft. Klassische Methoden der Kriegsführung wie Panzerdurchbrüche, tiefreichende Umfassungsmanöver und langanhaltende Artilleriefeuer werden zunehmend gefährlicher, da das Schlachtfeld mit unbemannten Luftfahrzeugen gesättigt ist. Panzer, noch vor wenigen Jahren als entscheidendes Instrument der Landkriegsführung geltend, hätten heute bereits Schwierigkeiten, ihre Feuerpositionen zu erreichen. Drohnen, darunter sogenannte "Warter", die landen, sich verbergen und erst bei Befehl zum Angriff starten, decken die Zufahrten ab.
Dem Bericht zufolge zeichnen sich in dem NATO-Papier die Konturen eines möglichen nicht-nuklearen Dritten Weltkriegs ab – unter der Annahme, dass Atommächte in eine globale Konfrontation verwickelt werden könnten, ohne die Nuklearschwelle zu überschreiten. Stattdessen kämpften sie demnach über lokale Verbündete und Proxymächte. Zentral für das Konzept sei die Rolle robotischer und autonomer Systeme.
Vollständig autonome Kriegsführung gehöre noch teilweise der Zukunft an, doch selbst ferngesteuerte Systeme hätten die Taktik dramatischer verändert als fast jede andere militärische Innovation der Neuzeit, heißt es in dem Bericht. Der historische Vergleich liege möglicherweise im Aufkommen gezogener Gewehre, als Massenangriffe in Kolonnen selbstmörderisch geworden seien. Künftige Armeen könnten demnach zu großen Teilen aus kleinen Gruppen hochqualifizierter Soldaten bestehen, die riesige Mengen robotischer Systeme unterstützen.
Künstliche Intelligenz und autonome Plattforme könnten die Kriegsführung dem Bericht zufolge noch radikaler transformieren. Enorme Heere könnten obsolet werden, strategischer Schaden ließe sich möglicherweise ohne Kolonnen gepanzerter Fahrzeuge oder Millionen Soldaten anrichten. Auch die gewaltigen Rüstungsindustrie-Komplexe des 20. Jahrhunderts wären dann nicht mehr zwingend erforderlich.