Nepal: Mehr als 1.000 Tote nach Überschwemmungen, Hunderte in Tunneln eingeschlossen
Eine Woche nach verheerenden Sturzfluten in Nordnepal steigt die Zahl der Toten auf über 1.000. Rettungsteams suchen unter Einsatz internationaler Spezialisten nach Hunderten Vermissten, die in Wasserkraft-Tunneln eingeschlossen …
Die nationale Katastrophenschutzbehörde Nepals (NDRRMA) gab am Dienstag die Todeszahl mit 1.003 an. Etwa 4.000 Menschen gelten nach wie vor als vermisst, darunter rund 590 Ausländer aus 39 Staaten. Gleichzeitig konnten nach Behördenangaben etwa 11.800 Personen gerettet werden.
Die Rettungsarbeiten konzentrieren sich auf ein Dutzend Tunnel mehrerer Wasserkraftprojekte entlang des Trishuli-Flusses. In diesen Tunneln könnten sich Hunderte Arbeiter aufgehalten haben, als die Flut hereinbrach. Die Behörden führen 639 Personen aus dem Umfeld der Wasserkraftanlagen als vermisst, können jedoch nicht genau sagen, wie viele davon tatsächlich in den Tunneln eingeschlossen sind oder von den Wassermassen fortgerissen wurden.
Am Oberlauf-Projekt Upper Trishuli-3A, wo Retter am Montag den Tunneleingang erreichten, pumpen Teams weiterhin Luft ein und leiten Wasser ab, um den Zugang zu ermöglichen. Bagger und Steinbrecher räumen Zufahrtswege zu dem vier Kilometer langen Tunnel frei. Nach Medienberichten aus der Region befinden sich vermutlich 30 bis 40 Menschen im unterirdischen Maschinenhaus.
Seit Montag dringen nepalesische Armeeteams gemeinsam mit ausländischen Spezialisten in mehrere Tunnel vor. Ein gemeinsames Team erreichte 200 Meter in den 9,5 Kilometer langen Tunnel von Upper Trishuli-1 vor. Im Chilime-Tunnel kamen die Retter etwa 50 Meter weit, im Langtang-Tunnel rund 150 Meter.
Das nepalesische Außenministerium teilte mit, dass 24 indische und neun chinesische Tunnelrettungsspezialisten vor Ort eingesetzt sind. Zudem ist ein südkoreanisches Team in Nepal eingetroffen. Die nepalesische Armee gab an, dass unmittelbar nach der Katastrophe 279 Menschen lebend aus Wasserkraftprojekten gerettet wurden, davon 221 aus Upper Trishuli-3A und 33 aus Upper Trishuli-1.
Mehr als 21.000 Sicherheitskräfte sind in Such-, Evakuierungs- und Hilfsaktionen involviert. Die Katastrophenschutzbehörde ließ 37 Lastwagen und 37 Einsatzfahrzeuge mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern in die betroffenen Gebiete fahren, zusätzlich wurden neun Hubschrauberflüge zur Versorgung durchgeführt. Nepal hat internationale Unterstützung angefordert, darunter LiDAR-Geräte, Behelfsbrücken, Tiefkühlanlagen, DNA-Testkits und Drohnen mit hoher Tragkraft.
Das Außenministerium erklärte, es unterstütze Familien vermisster Ausländer bei der Informationsbeschaffung sowie bei der Identifizierung und Rückführung von Toten. In einer Stellungnahme räumte die Behörde ein, dass Angehörige weiterhin unter dem Schmerz und der Ungewissheit des Wartens leiden.