Palästinenser im Westjordanland berichten über Zerstörung von Wasserleitungen
Im besetzten Westjordanland werfen palästinensische Bewohner israelischen Siedlern vor, gezielt Wasserversorgungen zu kappen und Brunnen anzugreifen. Die Betroffenen befürchten, dass das Ziel die Vertreibung von Land ist.
Bewohner des Dorfes Khirbet Al-Tawil im besetzten Westjordanland haben nach eigenen Angaben seit etwa vier Monaten keine reguläre Wasserversorgung mehr. Die Hauptwasserleitung der Gemeinde sei durchtrennt worden, berichteten mehrere Dorfbewohner. Reparaturversuche seien blockiert worden.
Nach einem langen, trockenen Sommer, der die Wasserknappheit verschärft habe, würden Siedler nun versuchen, die verbleibenden Brunnen leerzupumpen, so die Schilderungen der Einwohner. Einige Bewohner hätten bereits kein Wasser mehr, andere müssten Vorräte nachtransportieren – mit dem Risiko, dass ihre Fahrzeuge beschlagnahmt würden.
Aktivisten haben nach Angaben der Betroffenen eine dauerhafte Präsenz in Khirbet Al-Tawil eingerichtet, um die Gemeinde zu unterstützen. Bei einer Auseinandersetzung um den Zugang zu einem Brunnen habe die israelische Armee das Gebiet zur geschlossenen Militärzone erklärt. Ein Aktivist, ein pensionierter Oberst der israelischen Streitkräfte, gab an, er habe die Anordnung angefochten und sei daraufhin festgenommen worden. Das gegen ihn eingeleitete Verfahren sei später eingestellt worden.
Der Aktivist warf der israelischen Regierung vor, die Siedler zu unterstützen. Das ultimative Ziel sei es, Palästinenser aus großen Teilen des Westjordanlands zu vertreiben. Die israelische Regierung stehe hinter den Siedlern, behauptete er. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu habe dem Bericht zufolge versucht, Gewalt von Siedlern herunterzuspielen und den Medien eine Übertreibung des Problems vorgeworfen.
Die Bewohner von Khirbet Al-Tawil betonten, sie hätten nicht vor, ihr Land zu verlassen. Ein Bauer sagte, die Siedler wollten den Ort entvölkern. Mit einigen bereits gefährdeten Brunnen fürchten die Einwohner, dass die Erschöpfung der verbleibenden Wasservorräte einen Verbleib auf dem Land unmöglich machen könnte.