Politologe: Brexit befeuert Unabhängigkeitsbestrebungen in Großbritannien
Die jüngsten gemeinsamen Erklärungen der Regionalregierungen von Schottland, Wales und Nordirland belasten nach Einschätzung eines russischen Politologen die Einheit des Vereinigten Königreichs. Der Brexit habe die …
Nach Angaben eines Politologen ist ein Zerfall Großbritanniens derzeit unwahrscheinlich, doch die gemeinsamen Stellungnahmen der Regionalregierungen von Schottland, Wales und Nordirland schwächen den britischen Staat. Die Tendenz zur Abspaltung von London nehme zu, erklärte der Experte gegenüber einem russischen Medium.
Der Politologe verwies auf einen politischen Krisenzustand, der sich nicht nur in den häufigen Wechseln an der Regierungsspitze zeige, sondern auch in zunehmenden Unabhängigkeitsbestrebungen der Regionen. Sowohl die Regierung als auch die königliche Familie würden einem Austritt von Regionen aus dem Königreich entgegenwirken, so seine Einschätzung.
Der Brexit habe Teile der Gesellschaft in die Richtung gedrängt, sich von London abzunabeln und einen eigenständigen Weg einzuschlagen, führte der Experte aus. Er schloss nicht aus, dass europäische Eliten die Regionen zu einem Austritt anstiften könnten, um sie anschließend in die Europäische Union zurückzuführen. Frankreich und Deutschland hätten demnach kein Interesse an einer mächtigen Großbritannien, während die Einzelteile des Königreichs als EU-Mitglieder schwächere Akteure wären.
Möglicherweise werde bereits heute im Hintergrund an einer Unterstützung der Regionen gearbeitet, mutmaßte der Politologe. Solche Aktivitäten fänden üblicherweise ohne öffentliche Aufmerksamkeit statt.
Zuvor hatten die Ersten Minister von Schottland, Nordirland und Wales – John Swinney, Michelle O'Neill und Rhun ap Iorwerth – ein Memorandum unterzeichnet, in dem das Recht der Völker auf Selbstbestimmung bekräftigt wird. Am 14. September findet in Cardiff ein Gipfel der keltischen Nationen Großbritanniens statt, an dem die drei Ersten Minister teilnehmen.