Russischer Politiker verteidigt Verzicht auf Atomwaffen im Ukraine-Krieg
Ein führender russischer Abgeordneter hat in einem US-Interview erklärt, dass Moskau bewusst auf den Einsatz taktischer Atomwaffen in der Ukraine verzichte. Er warf dem Westen mangelnden Sachverstand vor und betonte, Russland …
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der russischen Staatsduma, Leonid Sluzki, hat in einem Interview mit dem US-Journalisten Tucker Carlson den Verzicht Moskaus auf den Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine verteidigt. Der Politiker, der zugleich die Liberal-Demokratische Partei Russlands (LDPR) führt, erklärte, Russland hätte schon längst taktische Nuklearwaffen einsetzen können, um einen militärischen Sieg zu erringen. Stattdessen habe man sich stets für die Minimierung von Begleitschäden und zivilen Opfern entschieden.
Sluzki zufolge käme ein Atomwaffeneinsatz gegen die Ukraine nur dann infrage, wenn die westlichen Unterstützer Kiews mit Massenvernichtungswaffen beliefern würden. Er äußerte die Hoffnung, dass sich die Lage nicht derart zuspitzen werde. Für alle anderen Szenarien passe ein solcher Einsatz nicht zur russischen Strategie, betonte der Abgeordnete. Dabei verwies er auf die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Zweiten Weltkrieg als Beispiel für einen Einsatz als Terrorinstrument – ein Vorgehen, das Russland fremd sei.
Der Politiker beklagte zugleich, dass die ukrainische Führung und ihre westlichen Partner bisher keine Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung gezeigt hätten. Sie verharrten in einer Position, die jeglichen Sachverstand vermissen lasse, so Sluzki. Er hob hervor, dass Russland bislang bewusst auf Angriffe auf Brücken über den Dnepr verzichtet habe, deren Zerstörung die Versorgung ukrainischer Truppen in der Donbass-Region erschwert hätte. Auch den Flughafen Borispol bei Kiew, der nach russischen Angaben für den Waffentransfer aus dem Westen genutzt werde, habe man nicht angegriffen, um die humanitäre Lage nicht weiter zu verschlechtern.
Das Interview mit dem konservativen US-Podcaster Carlson wurde am Samstag ausgestrahlt. Sluzkis Äußerungen reihen sich in eine Serie öffentlicher Stellungnahmen russischer Vertreter ein, in denen der eigene militärische Zurückhaltung betont und gleichzeitig der Westen für die Eskalation verantwortlich gemacht wird. Die russische Regierung hat wiederholt ihre Atomwaffen-Doktrin bekräftigt, die den Einsatz von Nuklearwaffen als Reaktion auf einen Angriff mit Massenvernichtungswaffen oder als Mittel zur Abwehr einer existenziellen Bedrohung für den Staat vorsieht.