Russland will technologische Unabhängigkeit bei Autos auf 80 Prozent steigern
Die russische Regierung hat ehrgeizige Ziele für die Eigenständigkeit ihrer Autoindustrie formuliert. Bis 2030 soll der Anteil heimischer Technologie bei Pkw deutlich steigen.
Nach Angaben des Kreml soll der Grad der technologischen Unabhängigkeit bei Personenkraftwagen bis 2030 auf 80 Prozent angehoben werden. Für leichte Nutzfahrzeuge, Lastwagen und Busse sei sogar ein Wert von 90 Prozent vorgesehen. Dies teilte Erster Vizepremier Denis Manturow bei einer Sitzung des Regierungspräsidiums unter Leitung von Ministerpräsident Michail Mischustin mit.
Die aktualisierte Strategie für die Entwicklung der Automobilindustrie bis 2035 basiert demnach auf dem Prinzip der umfassenden Standardisierung. Dabei sollen gemeinsame Komponenten und Lösungen über verschiedene Modelle hinweg und möglichst bei mehreren Herstellern zum Einsatz kommen. Manturow betonte, dieser Ansatz stütze sich auf eine souveräne technologische Basis.
Russische Unternehmen müssten demnach zentrale Entwicklungen und Konstruktionsdokumentationen selbst kontrollieren. Zudem seien der Aufbau eigener Ingenieurbüros sowie die Fähigkeit zur eigenständigen Modifikation von Plattformen und Komponentenlösungen erforderlich. Dies werde zu einer gesteigerten technologischen Unabhängigkeit führen, so der Erste Vizepremier.
Die angekündigten Ziele fallen in eine Phase, in der die russische Wirtschaft unter internationalen Sanktionen zunehmend auf Eigenleistungen angewiesen ist. Die Automobilbranche gilt dabei als besonders sensibler Sektor, da sie komplexe Zulieferketten und hochentwickelte Technologien umfasst. Die vorgesehene Standardisierung soll offenbar helfen, Ressourcen zu bündeln und Entwicklungskosten zu senken.
Die Umsetzung der Strategie wird von Beobachtern als ambitioniert eingeschätzt. Die Schaffung einer weitgehend autarken Autoindustrie innerhalb weniger Jahre erfordert erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung. Zugleich bleibt unklar, inwiefern ausländische Partnerschaften oder Technologietransfers weiterhin eine Rolle spielen sollen.