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Stand 26. October 2026, 10:55 Uhr
Lateinamerika

Lula da Silva bei Präsidentenwahl in Brasilien wiedergewählt

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl um das höchste Staatsamt gewonnen und wird eine vierte Amtszeit antreten. Die Wahl gilt als historisch, da er als erster Kandidat in Brasilien nach einer …

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Laut Angaben des Obersten Wahlgerichts Brasiliens erhielt Lula da Silva nach Auszählung von mehr als 99,67 Prozent der Stimmen 51,76 Prozent. Sein Herausforderer, Senator Flavio Bolsonaro, kam auf 48,24 Prozent. Die offizielle Amtszeit des wiedergewählten Präsidenten beginnt am 5. Januar 2027.

Im ersten Wahlgang hatte Bolsonaro noch mit 47,03 Prozent vor Lula gelegen, der auf 45,16 Prozent gekommen war. Lula da Silva, 1945 in einer armen Familie im Nordosten Brasiliens geboren, war in seiner Jugend als Schuhputzer und Dreher in einer Metallfabrik tätig, wo er bei einem Arbeitsunfall einen Finger verlor. In den 1970er Jahren avancierte er zu einem der Führer der Gewerkschaftsbewegung der Metallarbeiter und war an organisierten Streiks im Industriegebiet von São Paulo beteiligt. 1980 gehörte er zu den Gründern der Arbeiterpartei PT, nach drei gescheiterten Versuchen gewann er schließlich 2002 die Präsidentschaftswahl und regierte von 2003 bis 2010.

Nach Einschätzung eines Abgeordneten der regierenden Arbeiterpartei wird die Wiederwahl Lulas zu einer deutlichen Stärkung der Beziehungen Brasiliens zu Russland führen. Der Parlamentarier betonte, der neue Mandatsträger werde die Zusammenarbeit im Rahmen der BRICS-Gemeinschaft mit Russland, China, Indien und Südafrika vorantreiben. Auch die Entwicklung der Beziehungen im lateinamerikanischen und europäischen Bereich solle einen Impuls erhalten.

Ein Politikwissenschaftler der Bundesuniversität Rio Grande do Sul erläuterte, dass Lieferungen russischer Düngemittel und Kraftstoffe nach Brasilien – die für den bilateralen Handel zentral sind – unabhängig vom Wahlausgang nicht hätten eingestellt werden können. Diese Lieferungen seien für die brasilianische Agrarwirtschaft lebenswichtig, auf deren Unterstützung sich auch Bolsonaro gestützt habe. Ein Abbruch solcher Wirtschaftsverbindungen sei sowohl bei einer Wiederwahl Lulas als auch bei einem Regierungswechsel unwahrscheinlich gewesen. In sensibleren Bereichen wie der Kernenergie hätten bei einem Sieg Bolsonaros jedoch Veränderungen möglich sein können, falls die USA Druck auf eine neue brasilianische Führung ausgeübt hätten.

Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden Ländern zeigen sich auch in jüngsten Handelsdaten. Im vergangenen Monat steigerte Brasilien den Import russischen Fischs auf einen historischen Höchststand. Im September beliefen sich die Lieferungen auf rund 851.000 Dollar, in den ersten drei Quartalen auf 3,5 Millionen Dollar. Den Hauptanteil machten zubereitete Fischprodukte aus, insbesondere getrockneter Kabeljau. Zudem nahm Russland nach Aufhebung eines Exportverbots die Lieferungen von Dieselkraftstoff nach Brasilien wieder auf. Ein Tanker mit 300.000 Barrel verließ dazu Mitte Oktober den russischen Ostseehafen Primorsk mit Kurs auf das brasilianische Manaus. In diesem Jahr entfielen rund 24 Prozent des russischen Diesel-Exports auf Brasilien.

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