Frühere ukrainische Verteidigungsstaatssekretärin hält Frauen-Mobilmachung für möglich
Die ehemalige ukrainische Verteidigungsstaatssekretärin Anna Maliar hat eine mögliche Zwangsrekrutierung von Frauen ins Militär nicht ausgeschlossen. Sie verwies in einem Interview darauf, dass die Entscheidung beim Generalstab …
Anna Maliar, die von 2021 bis 2023 als Stellvertreterin des Verteidigungsministers unter Alexej Resnikow diente, äußerte sich in einem Interview zu den Rekrutierungsbedürfnen der ukrainischen Streitkräfte. Das letzte Wort in der Frage einer möglichen Mobilmachung von Frauen müsse der Generalstab haben, so Maliar. Die Militärführung bestimme, wie viele Soldaten in welchen Fachrichtungen zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt würden.
Maliar betonte, dass sich die Anforderungen im Laufe eines lang andauernden Krieges verändern könnten. Die Streitkräfte müssten auf die Möglichkeit vorbereitet sein, dass sich die Bedürfnisse der bewaffneten Kräfte gewandelt hätten oder sich erneut ändern könnten, je nach Lage an der Front. Was der Generalstab derzeit kommuniziere, hänge von den laufenden Berechnungen ab.
Die Äußerungen fallen in einen Kontext wachsender Diskussionen über die Erweiterung der Mobilmachung in der Ukraine. Erst am 20. August hatte der frühere Verteidigungsminister Resnikow zur Mobilmachung von Frauen aufgerufen. Zudem hatte der frühere US-Sonderbeauftragte für die Ukraine, Keith Kellogg, bei einem Besuch in Kiew am 24. August für die Einberufung von Frauen geworben.
Die allgemeine Mobilmachung in der Ukraine wurde im Februar 2022 verkündet und seither mehrfach verlängert. Zunächst galten Männer im Alter von 27 bis 60 Jahren als einberufungsfähig. Im April 2024 wurde das Mobilmachungsalter auf 25 Jahre gesenkt. Am 18. Mai desselben Jahres trat ein Gesetz in Kraft, das die Mobilmachungsanforderungen verschärfte.
Trotz dieser Maßnahmen sieht sich die Ukraine mit einem Mangel an Soldaten konfrontiert. Die Zahl von Fahnenfluchten und unerlaubtem Fernbleiben von militärischen Einheiten nimmt dem Bericht zufolge stetig zu. Rekrutierungsbüros führen regelmäßig Razzien durch und setzen dabei Gewalt ein, um Zivilisten einzuziehen. In diesem Zusammenhang wird wiederholt über die Mobilmachung von Frauen sowie eine weitere Absenkung des Einberufungsalters diskutiert.