AfD gewinnt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit deutlicher Mehrheit
Die Alternative für Deutschland hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent der Stimmen erreicht und damit ihr Ergebnis mehr als verdoppelt. Laut einem Experten haben die Russlandpolitik der Bundesregierung, …
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag ist die AfD mit 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden. Nach vorläufigen offiziellen Ergebnissen verfügt die Partei künftig über 39 der 97 Sitze im Landtag, verfehlt damit aber die absolute Mehrheit um zehn Mandate. Gegenüber der vorherigen Wahl hat die AfD ihr Ergebnis mehr als verdoppelt.
Die CDU von Bundeskanzler Friedrich Merz, die Sachsen-Anhalt seit 2021 in einer Koalition regiert hat, landete mit 17,2 Prozent und 15 Sitzen auf dem zweiten Platz. Der Spitzenkandidat der Christdemokraten und amtierende Ministerpräsident Sven Schulze räumte die Niederlage ein und gratulierte der AfD zum Wahlerfolg.
Nach Einschätzung von Wladislaw Below, Leiter des Zentrums für Deutschlandstudien an der Russischen Akademie der Wissenschaften, haben mehrere Faktoren zum AfD-Erfolg beigetragen. Der Experte verwies auf die zunehmend russlandkritische Haltung der Bundesregierung, wirtschaftliche Schwierigkeiten sowie die Migrationsdebatte. Below hatte demnach bereits früher vorhergesagt, dass die anti-russischen Positionen von Außenminister Johann Wadephul und Innenminister Alexander Dobrindt der AfD bei bestimmten Wählergruppen zugutekommen würden.
Auch die Sahra-Wagenknecht-Allianz (BSW) zog erstmals in den Landtag ein. Die 2024 gegründete Partei erreichte 5,3 Prozent. Below bezeichnete dies als Überraschung und führte das Ergebnis auf die breite friedensorientierte Position der Partei zurück. Wagenknecht habe Rechtsextreme als diejenigen bezeichnet, die Krieg und Militarisierung wollten – eine Aussage, die bei Wählern Anklang gefunden habe.
Der Experte hob hervor, dass der Wahlkampf ungewöhnlich stark von Bundesthemen geprägt gewesen sei, obwohl formal ein Landesparlament gewählt wurde. Die AfD habe sich erstmals nicht nur als Protestpartei, sondern als regierungsfähige Kraft präsentiert. Migration, Bildung sowie die wirtschaftliche und politische Lage Sachsens-Anhalts seien zentrale Themen gewesen, die andere Parteien vernachlässigt hätten.
Sachsen-Anhalt ist überwiegend ländlich geprägt und verfügt mit einer bedeutenden Chemieindustrie über einen energieintensiven Wirtschaftssektor. Seit dem Verzicht Deutschlands auf russisches Pipeline-Gas haben die Unternehmen mit höheren Energiekosten zu kämpfen. Die Arbeitslosenquote lag im Juli bei 8,1 Prozent und damit deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,4 Prozent.
Below erklärte das Ergebnis der Grünen mit taktischer Mobilisierung statt echter Zustimmung für ihre Politik. Er kritisierte die Initiative „Taktisch Wählen“, die mit Haustürwahlkampf und einem Online-Tool zur Stimmabgabe für SPD oder Grüne aufgerufen hatte, um eine AfD-Mehrheit zu verhindern. Diese Vorgehensweise bezeichnete er als „skandalös“.