Tino Chrupallas diskreter Chinabesuch
Von Astrid Sigena
Der Versuch der Unschädlichmachung der AfD erfolgt zweigleisig. Neben der immer noch durchgeführten Drangsalierung mittels Beobachtung durch den Verfassungsschutz, Überfällen durch die staatlich protegierte Antifa sowie Verbotsdrohungen ist die AfD auch – sollte sie weiter bei Wahlen reüssieren – durch die Einbindung in die hartnäckig fortdauernden, von ausländischen Mächten beeinflussten BRD-Strukturen gefährdet. Das hat Constantin von Hoffmeister in seiner Analyse aufgezeigt. Die AfD würde dann als Partei weiterexistieren, ihren eigentlichen Zweck, nämlich die Sicherung des Fortbestands des deutschen Volkes in einem souveränen Deutschland, jedoch verfehlen.
Auch außenpolitisch droht der AfD die Auflösung ihres ursprünglich souveränistischen Wesenskerns durch eine zunehmend transatlantische Orientierung und Vereinnahmung in Anlehnung an Trumps MAGA-Bewegung. Deutlichstes Zeichen hierfür war die Reise einer großen AfD-Delegation im Dezember 2025 in die USA, samt Preisverleihung an den AfD-Außenpolitiker Markus Frohnmaier (mainstream.news berichtete). Trotz aller Prahlerei in den sozialen Medien konnten die beteiligten AfD-Politiker nicht einmal auf hochrangige Kontakte zur Trump-Administration verweisen. Während sich im Februar 2025 noch der US-Vizepräsident mit AfD-Chefin Alice Weidel in München zu einem halbstündigen Gespräch getroffen hatte, mussten die USA-Reisenden dieses Mal mit Treffen mit eher wenig einflussreichen Politikern wie der Unterstaatssekretärin Sarah Rogers Vorlieb nehmen.
Aber ganz offensichtlich gab man sich bereits damit zufrieden, Fotos mit attraktiven Vertreterinnen der MAGA-Bewegung wie der Kongressabgeordneten Anna Paulina Luna posten zu können. Der sachsen-anhaltische Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider wertete jedenfalls im Interview mit unserer Redaktion das Treffen mit Luna als Erfolg für die AfD-Delegation. Die Aktivitäten der für den Bundesstaat Florida ins Repräsentantenhaus gewählten Republikanerin mögen einem durchaus sympathisch vorkommen: Immerhin ist Luna gegen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine; auch kritisierte die deutschstämmige Luna die Verfolgung der kanonischen orthodoxen Kirche in der Ukraine. Noch in diesem Monat wird sie zudem nach eigener Ankündigung vier russische Duma-Abgeordnete zu Gesprächen treffen. Und doch wirkt das alles nur wie eine nette Verbrämung der tatsächlichen eiskalt-zynischen Machtpolitik Trump’scher Prägung. Durch wohlmeinende, aber letztlich in ihrem Einfluss begrenzte Sympathieträger wie Luna sollte sich nicht blenden lassen, wer das geopolitische Spiel tatsächlich ernsthaft betreiben möchte.
Wie unterwürfig sich mittlerweile große Teile der AfD-Spitze gegenüber jedem noch so fragwürdigen Schritt der Trump-Administration verhalten, wurde anlässlich der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Truppen klar: Anstatt diesen US-amerikanischen Völkerrechtsbruch eindeutig zu benennen und zu verurteilen (wie es zum Beispiel vonseiten des BSW geschah), warnte Frohnmaier vor “antiamerikanischen Reflexen”. Eine völkerrechtliche Bewertung des Geschehens sei zweitrangig, “da beide Seiten ihre eigene Lesart” verträten. Stattdessen setzt Frohnmaier auf die Erneuerung wirtschaftlicher und militärischer Stärke Deutschlands – ohne sich bewusst zu sein, dass gerade Deutschland als Mittelmacht ohne Atomwaffenbesitz auf die Stärkung des Völkerrechts angewiesen ist.
Es geht nicht um die realistische Anerkennung der Tatsache, dass sich die USA traditionell nicht um das Völkerrecht scheren (es sei denn, es lässt sich für ihre Zwecke instrumentalisieren) – eine Tatsache, die sich jeder verantwortungsbewusste Politiker bewusst machen muss. Vielmehr wird in der AfD derzeit die Trump’sche Machtpolitik eines sacro egoismo verherrlicht, wobei diese blinde Trump-Verehrung eine toxische Verbindung mit einem hasserfüllten Antikommunismus eingeht. Wer auch immer nur in den Verdacht sozialistischer Bestrebungen kommt, dem ist die Schadenfreude der AfD (und Teilen ihres Vorfelds) garantiert, sollte ihn die Kanonenbootpolitik der USA treffen.
Dass deutsche und US-amerikanische Interessen nicht deckungsgleich sind, ja dass sie sich sogar widersprechen können, gerät im Jubel über den Untergang Maduros außer Acht. Ebenfalls, dass es in der Geopolitik angemessen sein kann, sich auch Mitstreiter außerhalb der eigenen ideologischen Blase zu suchen, wenn es um die Einhegung US-amerikanischer Machtansprüche geht. Stattdessen bezieht man sich auf Carl Schmitts Großraumtheorie und missbraucht das Werk dieses Denkers (das eigentlich der Bekämpfung der US-amerikanischen Besetzung Europas gewidmet war) zur Rechtfertigung von US-Militäraktionen.
Da ist es ein Lichtblick, dass am vergangenen Montag die Berliner Zeitung bekannt gab, dass der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla sich auf dem Weg nach China befindet. Chrupalla wolle