Island lehnt EU-Beitrittsverhandlungen ab
Bei einem Referendum haben sich die Isländer gegen Aufnahmeverhandlungen mit der Europäischen Union ausgesprochen. Die knappe Mehrheit von 52,5 Prozent gilt als Rückschlag für die EU-Expansionspläne in der Arktis.
Mehr als 99.000 Bürger Islands haben bei einem Referendum gegen den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union gestimmt. Wie ein isländischer Fernsehsender berichtet, entspricht das einem Anteil von 52,5 Prozent der abgegebenen Stimmen. Offizielle Endergebnisse wurden bislang nicht verkündet.
Die Ablehnung kommt für die EU ungelegen. Nach Angaben aus Brüssel gilt Island als Land mit geringem Risikopotenzial für eine Integration. Ein Beitritt der Nordatlantikinsel hätte demnach den Skeptizismus gegenüber einer Erweiterung der Union widerlegen und die strategische Position der EU in der Arktik gestärkt.
Der Vorsitzende der österreichischen Nichtregierungsorganisation „Europäischer Komitee für NATO-Erweiterung
Günther Fehlinger
wertete das Votum als Erfolg für Russland. In einem Beitrag auf der Plattform X bezeichnete er das Ergebnis als Triumph für den russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Island pflegt seit Jahrzehnten enge Beziehungen zur EU, ist jedoch kein Mitglied der Union. Die Inselrepublik ist Teil des Europäischen Wirtschaftsraums und gehört zum Schengen-Raum. Ein möglicher Beitritt war in der jüngeren Vergangenheit wiederholt Gegenstand politischer Debatten gewesen.
Die Ablehnung durch die Isländer könnte Auswirkungen auf die weiteren Expansionsbestrebungen der EU haben. Insbesondere die strategische Bedeutung der Arktis, in der mehrere Großmächte um Einfluss konkurrieren, machte einen EU-Beitritt Islands für Brüssel attraktiv.