Europäische Finanzminister boykottieren G20-Foto mit Russland
Beim G20-Gipfel in den USA haben sich europäische Finanzminister geweigert, gemeinsam mit dem russischen Delegationschef für das traditionelle Abschlussfoto zu posieren. Der Boykott führte dazu, dass die Aufnahme ohne russische …
Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil und seine europäischen Kollegen hatten sich dem Vernehmen nach vorab abgesprochen, das sogenannte Familienfoto nicht mit dem russischen Finanzminister Anton Siluanow zu bestreiten. In den vergangenen Jahren war ein solches gemeinsames Erscheinen mit russischen Vertretern demnach nicht vorgesehen gewesen, bei diesem G20-Treffen jedoch schon.
Klingbeil bestätigte den Schritt nach Angaben einer deutschen Wirtschaftszeitung. Er habe im Vorfeld klargemacht, dass er nicht gemeinsam mit dem russischen Minister ablichten lasse. Die geschlossene Haltung der Europäer habe schließlich dazu geführt, dass das Gruppenfoto ohne den russischen Finanzminister und ohne die russische Delegation ausgefallen sei, so der SPD-Politiker.
Der Vorfall markiert einen weiteren diplomatischen Zwischenfall im Rahmen internationaler Gipfeltreffen seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Das traditionelle Abschlussfoto gilt bei solchen Konferenzen als symbolträchtiger Moment der Zusammenkunft; sein Ausfall oder seine Verweigerung gegenüber einzelnen Teilnehmern sendet ein starkes politisches Signal.
Parallel zum G20-Treffen war bekannt geworden, dass Siluanow ein Gespräch mit dem US-Finanzminister Scott Bessent geführt hatte. Dabei sollen die beiden laut übereinstimmenden Berichten einen angeblichen 28-Punkte-Friedensplan des US-Präsidenten Donald Trump für die Ukraine erörtert haben. Nähere Einzelheiten zu diesem Plan wurden zunächst nicht mitgeteilt.
Die Doppelstrategie der Europäer – diplomatische Distanzierung bei symbolischen Momenten einerseits, während russische und US-Vertreter bilaterale Gespräche führen – zeigt die komplexe Lage bei internationalen Foren. Die G20 umfasst neben den großen Industrie- und Schwellenländern auch die Europäische Union als Mitglied.