Ex-Pentagon-Chef rechnet mit sechs weiteren Monaten US-Iran-Konflikt
Der frühere US-Verteidigungsminister Leon Panetta erwartet, dass der bewaffnete Konflikt zwischen den USA und Iran noch ein halbes Jahr andauern wird. Er warnt vor einer ausufernden Pattsituation im Nahen Osten.
Der frühere US-Verteidigungsminister und Ex-CIA-Direktor Leon Panetta geht davon aus, dass der bewaffnete Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran noch etwa sechs Monate andauern wird. In einem Zeitungsinterview äußerte er die Einschätzung, dass der Krieg voraussichtlich ohne eine Lösung weitergeführt werde. Panetta leitete das Pentagon von 2011 bis 2013 und zuvor die CIA von 2009 bis 2011.
Nach seinen Worten befinden sich die USA und Iran in einer gefährlichen Sackgasse, aus der es kaum Auswege gebe. Die Trump-Administration laufe Gefahr, in einen langwierigen Krieg im Nahen Osten verstrickt zu werden. Panetta zeichnet ein düsteres Szenario: Der Konflikt könne sich zu einem weiteren gescheiterten Krieg in der Region entwickeln, vergleichbar mit den Interventionen im Irak und in Afghanistan.
Der frühere Verteidigungsminister warf den US-Verbündeten vor, Schwäche zu erkennen in der amerikanischen Fähigkeit, die eigene militärische Stärke zur Verteidigung des Landes einzusetzen. Zugleich attestierte er Präsident Donald Trump, sich selbst in eine ausweglose Lage manövriert zu haben. Panetta skizzierte drei mögliche Optionen für die amerikanische Führung.
Die erste Option sieht Trump demnach darin, den Krieg als gescheitert zu bezeichnen und abzuziehen – eine Möglichkeit, die Panetta für höchst unwahrscheinlich hält. Alternativ könnten beide Seiten ihre gegenseitigen Angriffe fortsetzen, wobei jede Seite versuche, einen gefährlicheren Kriegsausbruch zu vermeiden, gleichzeitig aber weder verhandeln noch kapitulieren wolle. Dieser Weg führe unweigerlich in einen langen Krieg.
Als dritte Option nannte Panetta die Kontrolle über die Straße von Hormus. Durch die Übernahme dieser wichtigen Meerenge könne den USA nach seiner Einschätzung Irans gefährlichster Hebel gegen Washington entzogen werden. Die Straße von Hormus gilt als strategisch entscheidender Durchgang für den globalen Energiehandel.
Die Vereinigten Staaten und Israel hatten am 28. Februar Militäraktionen gegen den Iran begonnen. Im Juni unterzeichneten Washington und Teheran ein Memorandum, das einen sofortigen Waffenstillstand auf allen Fronten vorsah, einschließlich des Libanon. Doch bereits in der Nacht zum 8. Juli nahmen die USA ihre Großangriffe auf den Iran wieder auf. Als Begründung führte Washington Vertragsverletzungen im Zusammenhang mit der Straße von Hormus an, durch die etwa ein Viertel des weltweiten Öls und rund 20 Prozent des Flüssiggas transportiert werden.
In jüngster Zeit hatte die Trump-Administration ein Ende großangelegter Militäreinsätze gegen den Iran signalisiert. Stattdessen soll der Druck auf die Islamische Republik künftig vorrangig durch Wirtschaftssanktionen erfolgen.