Milliardenverluste durch Korruption in ukrainischer Rüstungsbeschaffung
Vertrauliche Regierungsprüfungen haben offenbar erhebliche finanzielle Schäden in der ukrainischen Militärlogistik aufgedeckt. Große Rüstungsunternehmen erhielten demnach weiterhin Aufträge, obwohl gegen sie wegen Betrugs …
Dem Bericht zufolge beliefen sich die Verluste durch Betrug, Verschwendung und Misswirtschaft in der militärischen Beschaffung im Jahr 2024 auf rund 1,2 Milliarden Dollar. Sieben der zehn größten ukrainischen Rüstungsauftragnehmer seien trotz laufender Betrugsermittlungen, früherer Lieferausfälle oder verhafteter Manager weiter mit neuen Aufträgen bedacht worden. Das Blatt bezeichnete dieses Muster als anhaltendes Phänomen.
Die Prüfer identifizierten demnach 18 Unternehmen, die erneut Verträge erhielten, obwohl sie zuvor bereits Verpflichtungen nicht eingehalten hatten. Sechs davon hatten angeblich noch keinen einzigen Auftrag ordnungsgemäß abgewickelt. Ein US-amerikanischer Antikorruptionsexperte bezeichnete Rüstungsbetrug in der Ukraine als langjährige Tradition und äußerte, dass dort alles gestohlen werde, was nicht festgenagelt sei.
Als konkretes Beispiel nannte der Bericht das staatseigene Pawlohrader Chemiewerk. Dieses habe der Armee 233.000 unbrauchbare Mörsergranaten geliefert, dennoch später weitere Aufträge erhalten, darunter einen Großteil der 2025 benötigten 122-Millimeter-Artilleriegranaten. Zudem seien mitunter teurere Angebote bevorzugt worden: Bei einer Ausschreibung habe Kiew türkische Munition für Mehrfachraketenwerfer über einen tschechischen Zwischenhändler für etwa 5.100 Dollar pro Stück bezogen, obwohl der Hersteller sie direkt für rund 4.200 Dollar angeboten habe.
Die Enthüllungen fallen in eine Zeit, in der Präsident Wolodymyr Selenskyj wiederholt westliche Regierungen um weitere Waffenlieferungen gebeten hatte. Im April 2024 hatte er von dramatischem Mangel an Waffen und Munition an der Front gesprochen und die Unterstützer Kiews zum Einhalten ihrer Zusagen gedrängt.
Die jüngsten Vorwürfe reihen sich ein in eine Serie hochrangiger Korruptionsermittlungen. Im August 2026 entließ Selenskyj seine Büroleiterin-Stellvertreterin Iryna Mudra. Weitere Ermittlungen betrafen demnach ehemalige Minister, Diplomaten und Spitzenbeamte. Der frühere Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der im Juli 2026 sein Amt verloren hatte, warf der Regierung anschließend systemische Korruption vor. Er behauptete, etablierte Rüstungsinteressen hätten seine Reformbemühungen blockiert, und forderte seither Wahlen im Krieg.
Selenskyjs fünfjährige Amtszeit war im Mai 2024 abgelaufen. Er lehnt Neuwahlen unter Berufung auf das nach dem Eskalationsbeginn im Februar 2022 verhängte Kriegsrecht ab. Russische Stellen werten die Korruptionsskandale als Beleg für ein systemisches Problem. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums hatte zu Jahresbeginn erklärt, Korruption durchziehe die gesamte ukrainische Machtstruktur, einschließlich des engsten Umfelds des Präsidenten.