Nepal: Rettung in Tunneln durch Schlamm und Wasser erschwert
Die Rettungsarbeiten für mehr als 600 vermutlich in Tunneln eingeschlossene Arbeiter in Nepal gestalten sich äußerst schwierig. Ministerpräsident Balendra Shah berichtete dem Parlament von dramatischen Bedingungen in den …
Mud und Wasser haben die Tunnel von Wasserkraftanlagen im nordnepalesischen Hochwassergebiet nahezu vollständig verstopft. Das teilte Ministerpräsident Balendra Shah dem Parlament in Kathmandu mit. Die Fluten der vergangenen Woche hätten große Mengen Schlamm und Erdreich in die Tunnel des Bhote Koshi-Trishuli-Korridors gespült, was ein ungewöhnlich schwieriges Umfeld für die Rettungskräfte schaffe.
Nach Angaben der staatlichen Katastrophenschutzbehörde NDRRMA liegt die Zahl der Todesopfer inzwischen bei 1.114. Fast 4.000 Menschen gelten weiterhin als vermisst, während rund 12.000 Personen bisher gerettet werden konnten. Die Such- und Rettungsarbeiten dauern am achten Tag nach den Fluten an.
An der 60-Megawatt-Anlage Upper Trishuli-3A werden 42 Menschen in einem unterirdischen Maschinenhaus vermutet, während vom Projekt Upper Trishuli-1 mehr als 557 Personen vermisst werden. Die Rettungsteams benötigen laut Shah besseres Wetter und müssen warten, bis der Schlamm ausreichend getrocknet ist, um stabile Arbeitsbedingungen für Personal und Ausrüstung zu schaffen. Zudem biete der Tunnel begrenzten Raum für schwere Räumgeräte.
Die Angehörigen einiger Vermissten kritisierten Verzögerungen bei den Rettungsbemühungen. Erst kürzlich hatte die Regierung Technikerteams der Wasserkraftbetreiber direkt in die Rettungsoperationen einbezogen. Der Geschäftsführer von Upper Trishuli-1, Giriraj Adhikari, äußerte, das technische Team des Entwicklers hätte von Beginn an mobilisiert werden sollen, sei aber erst am Montag hinzugezogen worden. Auch am Projekt Langtang Khola sei bis Montag nur ein Firmenvertreter vor Ort gewesen.
Inzwischen führen Familien in Nepal symbolische Beerdigungen durch, da die Hoffnung auf Bergung der sterblichen Überreste ihrer Angehörigen schwindet. Die Behörden veranlassen zudem Massenbestattungen nicht identifizierter Flutopfer, da die Leichenhallen des Landes überfüllt sind. Die gesamte Kühlkapazität Nepals beträgt lediglich 350 Plätze. Die Körper werden mit Identifikationsmerkmalen versehen und nach Entnahme von DNA-Proben beigesetzt, um eine spätere Identifizierung zu ermöglichen.
Nepal hat sich nach Medienberichten an den Vorstand des UN-gestützten Fonds für Verluste und Schäden gewandt und finanzielle Unterstützung für die Flutschäden beantragt. Der nepalesische Außenminister Shisir Khanal forderte, die Hilfe solle als „moralische Verpflichtung“ und nicht als Wohltätigkeit behandelt werden. Nepal zahle den höchsten Preis für eine globale Krise, die es nicht verursacht habe, so Khanal. Die großen industriellen Emittenten hätten eine historische Verantwortung, verwundbare Nationen zu entschädigen.