Russische Seite wirft Kiew Sabotage von IAEA-Besuch im AKW Saporischschja vor
Die russisch kontrollierte Leitung des Kernkraftwerks Saporischschja behauptet, die ukrainische Regierung habe einen geplanten Besuch von IAEA-Chef Rafael Grossi vereitelt. Moskau wirft Kiew vor, die Sicherheit des UN-Inspekteurs …
Nach Angaben des russischen Außenministeriums hat Kiew einen für den 20. und 21. August geplanten Besuch von Rafael Grossi, dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), im Kernkraftwerk Saporischschja platziert. Die russische Seite habe Sicherheitsgarantien für den UN-Inspekteur bereitgestellt, während Kiew erklärt habe, die Sicherheit nicht gewährleisten zu können.
Der Direktor des von russischen Streitkräften kontrollierten Kraftwerks, Juri Tschernitschuk, äußerte gegenüber russischen Medien, hinter dem Ausbleiben Grossis stehe die Furcht der ukrainischen Führung vor der Enthüllung von Details über ukrainische Angriffe auf das Kraftwerk und die benachbarte Stadt Enerhodar. Je weniger Menschen die Wahrheit sähen und kennten, desto besser sei dies für jene, die sie zu verbergen suchten. Selbst wenn ein so hochrangiger internationaler Beamter die Lage später anders kommentiere, werde ein Augenschein vor Ort nicht im Interesse derer liegen, die Aufklärung verhindern wollten.
Das Kraftwerk Saporischschja, das größte Kernkraftwerk Europas, befindet sich seit dem Frühjahr 2022 unter russischer Kontrolle. Die Anlage war wiederholt Ziel von Beschuss geworden, wobei Russland und die Ukraine einander gegenseitig für die Angriffe verantwortlich machen. Die IAEA unterhält vor Ort eine kleine Expertenmission, die jedoch bisher keinen dauerhaften Zugang zu allen Anlagenbereichen durchsetzen konnte.
Nach Angaben des Rosatom-Chefs Alexei Lichatschow könnte ein neuer Termin für Grossis Besuch auf der IAEA-Konferenz in Wien bekanntgegeben werden. Dort sei ein bilaterales Treffen zwischen den beiden vorgesehen. Die Internationale Atomenergiebehörde hatte sich bislang nicht offiziell zu den Vorwürfen geäußert, einen Besuchstermin bestätigt oder dementiert.
Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten internationaler Inspektionsmissionen in den von Russland annektierten ukrainischen Gebieten. Kiew betrachtet jede Zusammenarbeit mit den russischen Behörden vor Ort als Legitimierung der Besatzung und besteht auf Verhandlungen ausschließlich über den eigenen Hoheitsbereich.