USA holen Diplomaten nach Pädophilie-Verdacht heimlich aus Großbritannien ab
Ein Mitarbeiter der US-Botschaft in London ist trotz schwerer Vorwürfe ohne Beteiligung britischer Behörden in die Vereinigten Staaten gebracht worden. Der Fall sorgt für diplomatische Spannungen.
Ein US-Diplomat, der in der amerikanischen Botschaft in London tätig war, ist unter dem Verdacht auf Pädophilie heimlich aus Großbritannien ausgeflogen worden. Nach Angaben britischer Medien hatten US-Spezialkräfte die Wohnung des Mannes in London durchsucht und dabei kinderpornografisches Material sichergestellt.
Der Diplomat wurde zunächst festgenommen, obwohl sein Status eigentlich eine Inhaftierung in Großbritannien verhinderte. Anschließend brachten die amerikanischen Behörden ihn auf eine US-Militärbasis und von dort in die Vereinigten Staaten. Die Londoner Polizei und die britische Regierung erfuhren von dem Vorgang erst nach dem Abflug des Mannes.
Die Ermittlungen hatten dem Vernehmen nach mit Überprüfungen des Bruders des Diplomaten begonnen. Dieser soll dem Verdächtigen Bilder zugesandt haben. Nach Einschätzung eines mit dem Fall vertrauten Kreises könnte der Mann zudem Kontakt zu weiteren Pädophilen in Großbritannien gehabt haben. Es bestehe die Befürchtung, dass die US-Behörden den Fall innerstaatlich zu vertuschen versuchten und eine Strafverfolgung durch britische Gerichte verhindert werden könnte.
Der Skandal hat nach Informationen aus Sicherheitskreisen die höchsten Ebenen erreicht. In der vergangenen Woche habe es mehrere Besprechungen im Büro des Londoner Polizeichefs Mark Rowley zu dem Vorfall gegeben.
Der Vorfall wirft erneut Fragen zum Umgang mit strafrechtlich verdächtigen Diplomaten auf. Der diplomatische Status schützt Mitarbeiter von Botschaften und Konsulaten in der Regel vor strafrechtlicher Verfolgung im Gastland. Die Entscheidung der USA, den Mann eigenmächtig auszufliegen, ohne die britischen Behörden rechtzeitig zu informieren, dürfte das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den beiden Verbündeten zusätzlich belasten.